1792 bis 1814 – Europa und Tirol
1789
Die 1789 ausgebrochene Französische Revolution gehört mit ihrer Absage an den absolutistischen Ständestaat („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) und der Propagierung der Werte der Aufklärung zu den entscheidenden Zäsuren der europäischen Geschichte.
1792
Als die europäischen Großmächte 1792 eine Koalition zur Eindämmung der Ideen der Revolution bildeten, reagierte Frankreich im April 1792 mit einer Kriegserklärung an diese.
Mit dem Ausbruch des Krieges begann für weite Teile Europas eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Epoche militärischer Konfrontationen. In den Kriegen fanden in Europa rund fünf Millionen Soldaten und ca. eine Million Zivilpersonen den Tod, darunter in Tirol ca. 2.000 Personen.
1796
In den Bereich militärischer Aktionen Österreichs und Frankreichs gelangte Tirol erst im Frühjahr 1796. Napoleon zerschlug auf dem oberitalienischen Kriegsschauplatz bis Ende April 1796 die Koalitionsheere.
Die Tiroler Landstände organisierten alleine auf sich gestellt die Verteidigung und beschlossen am 1. Juni 1796 die jährliche feierliche Begehung des Festes des Herzen Jesu, um „die göttliche Allmacht und Barmherzigkeit zu erflehen.“
Nachdem das südliche Tirol im Verlauf des Jahres 1796 wiederholt Schauplatz von Gefechten geworden war, ging Napoleon im März 1797 in die Offensive:
1797
Der rasch Vormarsch General Barthélemy-Catherine Jouberts in Tirol im März 1797 durch das westliche Pustertal sollte die Flanke Napoleons sichern.
Ende März sammelten sich ca. 12.000 Schützen und Landstürmer, die den Umschwung bringen sollten. Mit zahlenmäßig überlegenen Kräften hoffte man, die in Brixen und Bozen stehenden feindlichen Kräfte zu sprengen. Der am 2. April ins Werk gesetzte Plan schlug freilich weitgehend fehl.
Auch das nachmals berühmt gewordene Gefecht, das der von Philipp von Wörndle kommandierte Landsturm einiger Nordtiroler Gerichte bei Spinges den Franzosen lieferte, endete mit dem Rückzug der Tiroler.
Joubert zog schließlich am 5. April nach Osten ab. Im Frieden von Campo Formido (17. Oktober) trat Österreich die österreichischen Niederlande an Frankreich und die Herzogtümer Mailand, Modena und Mantua an die Cisalpinische Republik ab. Dafür erhielt es Venedig und große Teile der ehemaligen venezianischen Terraferma sowie Istrien und Dalmatien.
1799
Aufgrund der anhaltenden Expansion Frankreichs formierte sich die Zweite Koalition bestehend aus England, Russland, Österreich, Portugal, Neapel und dem Osmanischen Reich (Kriegserklärung Frankreichs am 12. März 1799).
Zunächst schien das Waffenglück den Alliierten sowohl auf dem oberitalienischen als auch auf dem süddeutschen Kriegsschauplatz hold. Dass es örtlich – nämlich gerade in Tirol – zu französischen Erfolgen kam, blieb demgegenüber unerheblich. In einem Gefecht bei Taufers erlitten die von Tiroler Aufgeboten unterstützten Österreicher am 25. März 1799 unter Feldmarschallleutnant Heinrich von Bellegarde eine empfindliche Niederlage.
1800
Den Umschwung brachte das persönliche Eingreifen Napoleons in Italien sowie die Spaltung der Koalition durch das Ausscheiden Russlands (Österreichische Niederlagen von Marengo und Hohenlinden). In Tirol drangen Anfang Jänner 1801 französische Truppen bis Trient vor.
1801
Der am 9. Februar 1801 abgeschlossene Frieden von Lunéville brachte die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Österreich und Frankreich. Tirol war bereits im Jänner 1801 nach einem Waffenstillstand geräumt worden.
1803
Der Friede von Lunéville war aufgrund der darin enthaltenen Zusage einer Entschädigung für jene Reichsstände, die durch die Abtretung des linksrheinischen Gebietes an Frankreich Einbußen erlitten, die Grundlage für den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 geworden. Dieser führte zur Säkularisation der geistlichen Reichsfürstentümer (Trient und Brixen wurden daher der gefürsteten Grafschaft Tirol eingegliedert).
1805
Als der Krieg im September 1805 wieder ausbrach, standen Österreich, England, Rußland und Schweden gegen Napoleon. Bayern entschied sich für einen Kriegseintritt an der Seite Frankreichs.
In einem überaus raschen Feldzug erreichte Napoleon bis zum 14. November Wien. Am 2. Dezember 1805 schlug er die Heere Österreichs und Russlands in der „Dreikaiserschlacht“ bei Austerlitz.
Zwischen 1. und 3. November kam es an der Nordgrenze Tirols (u. a. am Pass Lueg, am Pass Strub) zu teils heftigen Gefechten gegen die von Napoleon nach Süden geschickten französischen Truppen unter General Ney, der am 6. November in der Innsbrucker Hofburg Quartier bezog.
Im zwischen Frankreich und Österreich abgeschlossenen Vertrag von Preßburg vom 26. Dezember 1806 anerkannte Franz I. die Erwerbungen Bayerns (u. a. die Markgrafschaft Burgau, die vorarlbergischen Herrschaften, die Grafschaft Hohenems) und musste zudem die Grafschaft Tirol abtreten.
1806 bis 1809
Zunehmende Integration Tirols (und anderer neubayerischer Gebiete) in das Königreich Bayern: Staatliche Übergriffe auf kirchliche Institutionen und religiösen Kult (vor allem Klosteraufhebungen, Beschränkung des religiösen Brauchtums, Verfolgung von Priestern, insbesondere die Landesverweisung der Bischöfe von Chur und Trient) erregten den Unmut der zum Großteil tief religiösen katholischen Bevölkerung. Weniger die Aufhebung der landständischen Verfassung (1808), die als Grund für den Aufstand oftmals überbewertet wurde, als Eingriffe Bayerns in die kommunale Selbstverwaltung wurden von breiten Bevölkerungskreisen abgelehnt. Die Anfang 1809 einsetzende Konskription (Aushebung von Rekruten) führte zu Protesten und lokalen Unruhen. Dies waren die hauptsächlichen Gründe für den Aufstand von 1809.
1809
Der Hauptkriegsschauplatz
Parallel zur Expansion Napoleons auf dem europäischen Kontinent erstarkte am Wiener Hof die Kriegspartei, die einen neuerlichen militärischen Konflikt als unvermeidlich ansah und offensiv anstrebte.
1808/1809 schienen die Rahmenbedingungen für einen weiteren Waffengang mit Napoleon aus Sicht der Wiener Kriegspartei günstig Zudem hoffte man, durch das Entfachen weiträumiger Aufstände gegen Frankreich und seine deutschen Verbündeten das Vorgehen der österreichischen Armeen beschleunigen zu können.
April
Als Erzherzog Karl am 10. April 1809 mit seinen Truppen den Inn überschritt, standen in Bayern rund 172 000 österreichische Soldaten einer Streitmacht von rund 160 000 Mann französischer und verbündeter Truppen gegenüber. Für den Feldzug in Oberitalien standen dem dortigen Oberbefehlshaber Erzherzog Johann rund 75 000 Mann zur Verfügung, wobei das VIII. Korps unter Feldmarschallleutnant Johann Gabriel Marquis du Chasteler mit etwa 10 600 Mann Tirol besetzen sollte.
Der Krieg wurde für Österreich zu einem Fiasko. Zwar konnte Erzherzog Karl während der ersten Tage des Feldzugs noch offensiv vorgehen, doch die Ankunft des aus Spanien kommenden Napoleon am 17. April brachte binnen kürzester Zeit die Wende (österreichische Niederlagen bei Abensberg und Eggmühl). Binnen zwei Wochen hatte Napoleon den österreichischen Vorstoß nach Bayern zurückgeschlagen, die strategische Initiative gewonnen und dem Gegner erhebliche Verluste zugefügt.
Mai
Anfang Mai 1809 nahm Napoleon den Marsch auf Wien auf, das am 13. Mai nach kurzem Bombardement eingenommen wurde. Es war absehbar, dass sich der Krieg im Donauraum entscheiden würde. Napoleon war bestrebt, die Donau zu überqueren und Karls nördlich der Donau operierende Hauptstreitmacht zu schlagen. Ein erster Versuch, von der Donauinsel Lobau überzusetzen und Fuß zu fassen, scheiterte (Schlacht von Aspern und Esslingen am 21./22. Mai).
Juli
In der Schlacht von Wagram (5. und 6. Juli) konnte Napoleon den Donauübergang erzwingen. Am 12. Juli kam es zum zunächst auf sechs Wochen befristeten, jedoch wiederholt verlängerten Waffenstillstand von Znaim, dessen vierter Punkt auch die Räumung Tirols von österreichischen Truppen vorsah.
Oktober
Der am 14. Oktober 1809 abgeschlossene Friede von Schönbrunn reduzierte die Habsburgermonarchie auf den Status einer Mittelmacht. Neben der Zusage einer Kriegsentschädigung von 85 Millionen Gulden und der Reduktion der Armee auf 150 000 Mann verlor Österreich Salzburg und das Berchtesgadener Land, das Inn- und Hausruckviertel (an Bayern), den Villacher Kreis in Kärnten, Krain, Görz, Istrien, Triest und Kroatien bis zur Save an das Königreich Italien bzw. an die einen Teil des französischen Kaiserreichs konstiuierenden „Illyrischen Provinzen“.
Die Tiroler Erhebung
Jänner
Die Kriegspläne sahen die Einbindung und Unterstützung von Volksaufständen vor. Erzherzog Johann, Andreas Hofer und Freiherr von Hormayr trafen sich in Wien, um den Tiroler Aufstand mit den österreichischen Kriegszielen abzustimmen.
April
Am 9. April überschritten die Truppen von Feldmarschallleutnant Chasteler die kärntnerisch-tirolische Grenze. Noch vor dem Eintreffen des regulären österreichischen Militärs kam es am 10. bzw. 11. April nahezu zeitgleich in den verschiedenen Landesteilen zum Aufstand. In Tirol standen nur rund 5300 bayerische Soldaten unter General Kinkel.
Die zahlenmäßig deutlich überlegenen Tiroler siegten bei Innsbruck am 11. und 12. April. Die Stadt wurde vom Tiroler Landsturm eingenommen, Kinkel kapitulierte. Tausende Menschen aus dem Umland strömten in die Stadt, wo es zu Plünderungen und wüsten Ausschreitungen gegenüber Teilen der Innsbrucker Bevölkerung, die von der Landbevölkerung als bayernfreundlich verdächtigt wurde, und gegen die kleine jüdische Minderheit kam.
Mai
Zunächst bereitete die Entwicklung in Tirol Kaiser Napoleon wenig Kopfzerbrechen, da er zurecht damit rechnete, dass die Entscheidung am Hauptkriegsschauplatz im Donauraum fallen würde. Erst um den 6./7. Mai 1809 reifte bei Napoleon der Entschluss, den Unruheherd Tirol noch vor den absehbaren entscheidenden Schlachten im Donauraum zu bereinigen, wozu zwei bayerische Divisionen abgestellt wurden.
Nach mehreren Gefechten (vor allem am Pass Strub am 12. Mai und bei Wörgl am 13. Mai) und Übergriffen der bayerischen Soldaten auf die Tiroler Zivilbevölkerung im Unterinntal konnte
Lefèbvre am 19. Mai in Innsbruck einziehen. Er war überzeugt, durch die Besetzung Innsbrucks das Land befriedet und dem Aufstand ein Ende bereitet zu haben. In Innsbruck blieb nur eine Division unter General Deroy zurück. Bei der Vorbereitung des Angriffs tat sich dabei zunehmend Andreas Hofer, Gastwirt und Pferdehändler aus dem Passeiertal und bis dahin Kommandant des Passeirer Aufgebots, hervor.
25. Mai
Am 25. Mai kam es schließlich zu einem ersten, unentschieden gebliebenen Gefecht am Bergisel bei Innsbruck zwischen den Truppen Deroys und 60 Tiroler Schützenkompanien (6000 Mann), die von gut 1200 österreichischen Soldaten unterstützt wurden.
29. Mai
Den Tirolern gelang es rasch, die Enttäuschung über diesen Rückschlag zu überwinden und weitere Kräfte zu mobilisieren, so dass sich beim Gefecht am Bergisel am 29. Mai etwa 1200 österreichische Soldaten und rund 14 000 Tiroler auf der einen Seite und ein zwischenzeitlich auf 5400 Mann leicht verstärktes bayerisches Kontingent auf der anderen Seite gegenüber standen. Zwar zog Deroy im Verlauf der Kämpfe des 29. Mai seine Truppen allmählich auf Innsbruck zurück, von einem entscheidenden Sieg oder Durchbruch der Tiroler Seite konnte man trotz der dreifachen Überlegenheit jedoch nicht sprechen. Dennoch entschloss sich Deroy zu einer heimlichen Absetzbewegung nach Bayern, wobei ihn der auftretende Munitions- und Lebensmittelmangel seiner Truppen und die Angst vor einer Einschließung in Innsbruck durch Abriegelung der Rückzugsrouten nach Norden (über Scharnitz) bzw. nach Osten über das Unterinntal zu diesem Schritt bewog. Im sogenannten Wolkersdorfer Handbillet sagte der Kaiser zu, keinen Frieden zu unterzeichnen, der die Grafschaft Tirol von seiner Monarchie trenne. Darauf waren die Zweifel der Tiroler an der Richtigkeit der Nachricht vom späteren Znaimer Waffenstillstand und dem Schönbrunner Friedensschluss zurückzuführen.
Juli
Auf französischer Seite reifte bei Napoleon schon kurz nach Abschluss des Waffenstillstands der Plan einer raschen, nunmehr endgültigen Niederschlagung des Tiroler Aufstands. Die Truppen sollten nur so lange eingesetzt werden, wie sie auf dem Hauptkriegsschauplatz an der Donau entbehrlich waren.
Napoleon hatte einen umfassenden Angriff von allen Seiten vorgesehen, wobei der Hauptstoß der französischen, bayerischen und Rheinbundtruppen von Nordosten über das Unterinntal erfolgen sollte.
Der ohne größeren Widerstand verlaufende Einmarsch des bayerischen Korps in Nordtirol ging rasch vor sich. Schon am Abend des 30. Juli zog Lefèbvre in Innsbruck ein. Demgegenüber gestaltete sich der zeitgleich mit dem endgültigen Abzug der Truppen Buols über Osttirol am 3. August einsetzende Vorstoß von Rusca über Osttirol sehr zäh und ging mit erheblichen Zerstörungen einher, da die dortigen Aufgebote hartnäckig Widerstand leisteten (Gefecht an der Lienzer Klause). Im Bereich der Südgrenze beschränkten sich die Invasoren schließlich auf eine Besetzung der Stadt Trient und ihrer Umgebung mit einer verhältnismäßig geringen Streitmacht von 1200 Mann.
August
Zur Herstellung der Verbindung mit den Truppen Ruscas entsandte Lefèbvre am 1. August eine Streitmacht. Dabei kam es am 4. und 5. August 1809 südlich von Sterzing zwischen Mauls und Unterau zu heftigen Gefechten. Ein weiterer Durchbruchsversuch, den Marschall Lefèbvre selbst mit 6000 Mann zwischen 7. und 9. August unternahm, blieb ebenfalls erfolglos.
In engem zeitlichen Zusammenhang mit den Geschehnissen in der „Sachsenklemme“ kam es auch im Tiroler Oberland zu Gefechten (v. a. Gefecht an der „Pontlatzer Brücke“ am 8. August).
An drei neuralgischen Punkten – der engen Eisackschlucht zwischen Ober- und Unterau, der Lienzer Klause und der Pontlatzer Brücke – waren somit den zahlenmäßig zwar deutlich überlegenen, jedoch teilweise ohne Führung kämpfenden Tirolern unter Ausnützung des Terrains beträchtliche Teilerfolge gelungen, die das französisch-bayerische Expeditionskorps in Bedrängnis brachten. Hinzu kam die nicht zu unterschätzende moralische Wirkung auf bayerisch-französischer Seite. Zudem verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den französischen und bayerischen Offizieren rapide.
Am 13. August sahen sich die insgesamt rund 10 600 Infanteristen und 1200 Reiter der alliierten Truppen circa 17 000 Tirolern gegenüber, die von Andreas Hofer (westlich der Sill), Josef Speckbacher (östlich der Sill) und Martin Firler (nördlich des Inns) befehligt wurden. Das Gefecht endete unentschieden.
Lefèbvre selbst entschied sich für den Abmarsch aus Innsbruck, da er die Rückzugslinien durch das Unterinntal und die Versorgung der Truppen gefährdet sah. Der Abzug der Bayern hatte den unentschiedenen Kampf vom 13. August in einen Sieg der Tiroler verwandelt, die am 15. August in Innsbruck einzogen. Das nördliche Tirol war somit wiederum (mit Ausnahme der Festung Kufstein) in der Hand der Aufständischen, die sich diesmal ohne Unterstützung durch reguläres österreichisches Militär gegen den Gegner durchgesetzt hatten. Der über das Pustertal vorgedrungene General Rusca wiederum hatte sich angesichts der Unmöglichkeit eines Durchbruchs bis Brixen und einer Vereinigung mit der Hauptstreitmacht am 10. August aus dem Pustertal nach Kärnten zurückgezogen.
September
In der Lesart der älteren Tiroler Geschichtsforschung gilt die Zeitspanne vom feierlichen Einzug Andreas Hofers in Innsbruck am 15. August bis zur neuerlichen Unterwerfung durch die napoleonischen Truppen und ihre Alliierten in der zweiten Oktoberhälfte als strahlender Höhepunkt der Erhebung, wobei sich diese (z. T. überaus positive) Wertung vor allem an der Person Hofers, der das Land regierte, festmacht.
Allerdings verlief diese Phase keineswegs ohne jede kriegerische Auseinandersetzung. Ab dem 25. September kam es so zu Angriffen in Salzburg, die zunächst auch sehr erfolgreich verliefen und die Tiroler bis in die Nähe von Reichenhall bzw. bis zur Einnahme von Hallein führten. Hier kam es aber schon nach wenigen Tagen zu Rückschlägen und Rückzugsbewegungen. Auch an der Tiroler Südgrenze kam es zu Kämpfen
Oktober
Kaum war der Frieden von Schönbrunn am 14. Oktober unterzeichnet, in dem Tirol neuerlich abgetreten wurde, hatte Napoleon ausreichend freie Kräfte zur definitiven Niederschlagung Tirols zur Verfügung. Somit stand eine Gesamtstreitmacht von knapp 50 000 Mann zur Verfügung.
Der Angriff an der Tiroler Nordgrenze begann am 17. Oktober, im Süden und Osten einige Tage später.
Durch Proklamationen wurde den Tirolern der Friedensschluss einschließlich der darin gewährten Amnestie für die bisherige Teilnahme an den Kämpfen am 19. Oktober in Nord und Süd bekannt gemacht, stieß jedoch zunächst bei vielen Aufständischen, die der Zusage des Kaisers im Wolkersdorfer Handbillet gedachten, auf Unglauben. Schon am 24. Oktober zogen die Bayern in Hall ein, Drouet d’Erlon versuchte jedoch in den folgenden Tagen – während derer es immer wieder zu Aufklärungszwecken zu Vorstößen bis nach Innsbruck kam –, die Tiroler Kommandanten zu friedlicher Unterwerfung zu bewegen. Unter den Tirolern entbrannten in diesen Tagen und Wochen heftigste, teilweise in Gewalttätigkeiten eskalierende Differenzen zwischen Gegnern und Befürwortern weiteren bewaffneten Widerstands. Die letzteren konnten sich bei Andreas Hofer schließlich durchsetzen. Insgesamt gelang es den Streitkräften Napoleons, die sich aus Bayern, Franzosen und Italienern zusammensetzten, binnen zwei Wochen den größten Teil des Landes weitgehend kampflos zu besetzen.
November/Dezember
Am 1. November kam es beim Bergisel nochmals zu einem Gefecht, bei dem 8500 Tiroler 20 000 Bayern gegenüberstanden. Binnen zwei Stunden war jedoch alles entschieden, und die Tiroler Kämpfer setzten sich ab.
Zwar kam es im November und Anfang Dezember immer wieder zu örtlichen Widerstandsaktionen, flackerten hier und da – mit einiger Intensität im Passeier und bei Meran, in der Umgebung von Brixen und in Osttirol – die Kämpfe wieder auf. Selbst temporäre lokale Erfolge konnten am Ausgang des Aufstandes nichts mehr ändern, sondern erhöhten nur die Opferzahlen und das Leid auf Tiroler Seite.
1810
Februar
Der Aufstand endete in einer Dreiteilung des Landes, festgelegt im Pariser Vertrag vom 28. Februar 1810: Das Pustertal östlich von Niederndorf fiel an die Illyrischen Provinzen; das untere Eisacktal, das Etschtal südlich von Gargazon (damit auch Bozen) kamen an das Königreich Italien und nur die restlichen Teile Tirols verblieben beim Königreich Bayern und bildeten dort den Innkreis.
Ingesamt kam es im französischen Machtbereich ab Oktober 1809 zu 40 Hinrichtungen von nicht unter die Amnestie fallenden Aufständischen aufgrund von kriegsgerichtlichen Verfahren (wobei zweifellos der Prozess gegen Andreas Hofer, der am 28. Januar auf der Pfandler Alm gefangen genommen worden war, und dessen Hinrichtung am 20. Februar 1810 am bekanntesten ist). Demgegenüber kam es unter Bayern nur zu insgesamt vier Hinrichtungen (zwei davon fallen bereits in den August).
1814
Die 1814 erfolgte Wiederangliederung Tirols an das Kaisertum Österreich war schließlich ein Ergebnis der internationalen Mächtekonstellation, die v. a. aus der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812/1813 und in der Völkerschlacht bei Leipzig (Oktober 1813) resultierte.
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