2009: Neue Dauerausstellung im MuseumPasseier
Was hat beispielsweise die Bayern bewogen, in ihrem neuen Tiroler Landesteil jene tiefgreifenden Reformen einzuführen, die dann den Aufstand der konservativen Bevölkerung auslöste? Wie haben die Bayern und die auf ihrer Seite stehenden Franzosen das „heilige“ Land Tirol gesehen? Und was hielt eigentlich das liberale, aufgeklärte Bürgertum in Städten wie Bozen, Meran, Innsbruck oder Trient von dem Kreuzzug ihrer Landsleute gegen die angeblich gottlose Aufklärung? In der bisherigen Geschichtsvermittlung sind diese Fragen zu kurz gekommen.
Ebenso sollen die Rollen des Österreichischen Herrscherhauses, jene der Franzosen, der Sachsen und der Italiener hinterfragt werden, um dann über die Rolle der Passeirer immer näher an Andreas Hofer und seinem Umfeld (Mitstreiter, Widersacher) heranzukommen. Im Ausgangsbereich kommen der „Sandhof als Pilgerstätte“ sowie die Rezensionsgeschichte zur Sprache. Ein bunt gemischtes Team von Historikern hat die Grundlagen dafür erarbeitet und dabei auch Neues zutage gefördert.
Das MuseumPasseier stellt diese Themen nun in den Mittelpunkt seiner neuen Dauerausstellung. Mit einer lebendigen Inszenierung werden die Ereignisse zwischen dem Aufstieg Napoleons zum Beherrscher Europas und seinem Ende in Waterloo anschaulich und leicht verständlich erzählt. Tirol ist in den Strategien der Großmächte nur ein Spielball. Seine Abtrennung von Österreich, der Anschluss an Bayern, der Aufstand von 1809, den Österreich zunächst initiierte, um sich dann davon zu distanzieren – in dieser Optik ist die Rebellion ein Muster für viele, auch heutige Konflikte.
Das MuseumPasseier löst die Rebellion von 1809 aus der bisher gewohnten Innenschau und stellt sie in einen weiter gefassten, europäischen Kontext. Dadurch wird es möglich, die Rolle von Andreas Hofer und seiner Mitkämpfer distanzierter zu sehen und sich von der eingeschränkten Sicht, die nur gute Tiroler und böse Feinde kennt, zu lösen. Das Handeln beider Seiten wird verständlicher. Auch wird den Besuchern bewusst, wie vergänglich doch häufig die Ursachen sind, die zu Kriegen führen.
In dieser veränderten Optik wird Hofer zurecht gerückt und von übertriebenem Patriotismus und blinder Heldenverehrung befreit. Die neue Ausstellung lässt ihm jene Rolle, welche die Geschichte ihm gegeben hat, zeigt aber die Mechanismen auf, die aus einem Menschen „wie du und ich“ mit der Zeit einen Helden machen. Ein Schwerpunkt der neuen Dauerausstellung ist dem Heldentum in Vergangenheit und Gegenwart gewidmet.
Die neue Ausstellung wird in einem neuen, rund 400 Quadratmeter großen unterirdischen Zubau eingerichtet, der in den vergangenen Wochen an der Nordseite des Sandhofes angefügt wurde. Derzeit sind die Konzept- und Planungsarbeiten für die Inneneinrichtung in Gang, der Betrieb des bisherigen MuseumPasseier ist durch die Bauarbeiten nicht betroffen. Die Eröffnung der neuen Dauerausstellung ist für 20. Februar 2009 geplant.
Die Finanzierung des Projektes, das Kosten von ungefähr 2.200.000 Euro vorsieht, trägt zu 85% die Südtiroler Landesregierung, den Rest übernehmen die Gemeinden des Passeiertales und die Stiftung Südtiroler Sparkasse.
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