Adler flieg!
„Ich sehe ein fleißiges Volk, ruhig und mit ihrem Land verbunden.
die für ihre Heimat sterben.
Ich sehe Herren auf Pferden mit Dreispitz und Säbel,
in roten und hellblauen Röcken.
Männer ziehen in den Krieg.
Ich sehe Häuser brennen, überall Feuer und Rauch.
Kinder, die zu Waisen werden.
Ich sehe eine Krone schmelzen
und ein Königreich vergehen.
Männer ziehen in den Krieg.
Ich sehe Panzer, die das Land einnehmen,
zum Gruße die Hand weit nach vorn gestreckt.
Ich sehe eine kristallene Nacht im Reiche,
Leid und Schmerz und Tod,
Hunger und Not.
Männer ziehen in den Krieg.
Und immer wieder sehe ich Helden, die laut NEIN sagen,
für ihr Vaterland sterben.
Ein mächtiger Hieb zerreißt die Heimat!“
„Adler, breite deine Flügel aus und streife übers Land.
Siehst du die Wälder die zum Vergnügen gerodet wurden,
den blauen Dunst über unserem Tal.
Die breiten Straßen neben dem Inn,
wie ein Wurm ziehen Autokolonnen dahin.
Flieg Adler, flieg zurück und erzähl mir was du siehst.“
„Ich sehe Demut vor der Natur
und ich fliege über die wilde Schönheit unseres Landes.
Keine hohen Schornsteine, aus denen schwarze Wolken aufsteigen.
Ich sehe tiefgrüne Seen mit klarem Wasser,
mächtige alte Bäume in unberührter Natur,
Häuser, die sich in die Landschaft fügen.
Ich sehe freie Flüsse und Bäche, ohne graue Mauern.
Bauern bestellen den Acker und arbeiten hart,
drei Generationen sitzen am Tisch!“
„Adler, schärfe dein Auge und schau hinunter auf die Menschen.
Siehst du diese Ignoranz, allem Leben gegenüber,
wie eng ihre Stirn geworden ist.
Merkst du die Gier nach Profit und diese Arroganz,
ohne Scham.
Das ICH an erster Stelle.
Siehst du den Ausverkauf unserer Erde, des Wassers und der Berge!“
„Adler, spitze deine Krallen und hebe den Glanz der Oberfläche.
Siehst du was sich darunter verbirgt?
Die trügerische Freiheit.
Mütter mit Kindern in kalten Räumen,
die Alten werden abgestellt.
Familien kämpfen und wahren den Schein
und die Frage nach der Wertigkeit.
Siehst du die fetten Männer, an jedem Finger goldene Ringe,
sie haben sich an den Kleinen satt gefressen.
Adler, ich frage dich, wie lang braucht es noch,
bis der Mensch das Wesentliche versteht?“
„Oh, kleiner Mensch verzage nicht!
Ich sehe auch Gutes.
Manche mit großem Herzen.
Ich sehe helfende Hände, die austeilen und anpacken,
doch noch zu wenige.
Sei zuversichtlich und behalt den Glauben,
schau in deine Seele, was brauchst du um glücklich zu sein?
Nur in dir selbst beginnt Freiheit und Frieden,
erst im Zerfall beginnt das Wahre!“
Biografie:
Sissy Orgler, Jahrgang 1956, ist in Graz geboren und lebt seit 1960 in Tirol.
Ausbildung zum Glasgraveur bei der Firma Riedlglas mit Besuch der Glasfachschule Kramsach. Schaufensterdekorateur, Krankenpflegeschule. Gearbeitet im Krankenhaus Kufstein, Stationsleitung der Pflegestation im Wohnheim Kufsteinin Paleativpflege (Lebensbegleitung bis zum Tode )
2 Semester Fernstudium für Journalismus und Belletristik. „Nütze jetzt meine Zeit für wohltätige Zwecke, für die Malerei und zum Schreiben“.
Kontaktadresse: s.orgler@transped.at
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