Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
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18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Albert Brecher, kein Finger am Abzug

Ich hab dann danach, wie mein Bruder daheim war und die Bauernschaft übernommen hat, da hab ich dann angesucht um Aufnahme in die Zollwache.

Und dann bei der amtsärztlichen Untersuchung hat der festgstellt: „Sie können ja nicht schießen, da fehlt ja der Zeigefinger!“  Den hab ich mit neun Jahr verloren. Weil damals haben ja die Kinder arbeiten müssen. Mit sieben Jahr war ich mit der Sichel Kornschneiden – mit sieben Jahr. Und mit neun Jahr bin ich in die Häckselmaschine in die Zahnräder gekommen. 
Dann hat mein Vater gesagt: „Der muss wenigstens nicht zum Militär.“ Das war mir nicht Recht, weil ich wollt ein vollwertiger Mensch sein. Weil früher war das so, wenn einer beim Militär nicht tauglich war, dann war das ein Staatskrüppel. Der war kein vollwertiger Mensch. Entweder ein Staatskrüppel oder ein Tachinierer, der sich durch Vortäuschung von allem Möglichen –  er hört schlecht oder was weiß ich – irgendwie gedrückt hat und so weiter. Und wie gesagt, beim Zoll hat der dann gesagt:  „Ja, Sie können ja nicht schießen.“ und so weiter. Dann hab ich gesagt:  „Jetzt hab ich viereinhalb Jahr schießen müssen und schießen können und jetzt soll ich auf einmal nicht mehr können?“ Und dann ist es gegangen! Und am 14. März 1946 hab ich dann am Brenner-Straßenzollamt angefangen. Und da hab ich dann den Einführungslehrgang, den Prüfungslehrgang mitgemacht. Und den ersten Fachkurs und so weiter. Und am Anfang, hab ich 120 Schilling im Monat Gehalt gehabt. Und das war halt zu wenig zum Leben und zuviel zum Sterben.
 
 
Biografie
 
Albert Brecher, 1920 geboren, stammt aus dem Geschlecht der "Tiefenlehner" in Grinzens. Heute noch ranken sich Sagen um jenen Vorfahren, der Wälder bis zu den höchsten Anhöhen im Senderstal schlägerte. Als eine Lawine die Alm verschüttete, wurde das als Strafe des zürnenden Himmels gedeutet.  Als Kind muss Albert Brecher  schon schwer arbeiten und erzählt im Verlauf einer sechsstündigen Aufnahme seiner Erzählungen für das österreichische Zeitzeugenarchiv von seinen bewegten Jahren als Soldat in Rußland, Frankreich und Belgien. Noch heute trägt er als Kamerad  bei den Schützen den "Gefrierfleischorden", den er in der Winterschlacht im Osten 1941/42 bekommen hat. Er überlebt drei schwere Verwundungen, ist am Ende noch bei der Ardennenoffensive dabei. 1949 heiratet er und ernährt die Familie mit fünf Kindern als Grenzer zu Italien. Er weiß viele Geschichten von Schmugglern und Grenzgängern zu erzählen, reflektiert seine Beobachtungen in der Natur , wenn er etwa auf seinen Bienenstaat zu sprechen kommt. Er spielt gerne mit seiner "Fotzhobel" (Mundharmonika) und versteht es Gesellschaften mit Gedichten und biografischen Erzählungen zu unterhalten.
 
(c) Österreichisches Zeitzeigenarchiv
 
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