Catarina Lanz – Wahrheit oder Legende?
Dieses Mädchen hieß Catarina Lanz und wurde 1771 in St. Vigil in Enneberg geboren. Nach den Spinger Ereignissen kehrte sie in ihre Heimat zurück, wo sie ihre Teilnahme am Kampf erst im hohen Alter und nur wenigen Leuten anvertraute. Wir finden sie in Col / Colle S. Lucia als Häuserin des Kuraten, der ihr den Rat gab, niemandem von ihrem Eingreifen in Spinges zu erzählen. Ab 1851 ist die nunmehr 80-Jährige nochmals als Häuserin beschäftigt, diesmal in Andrác bei Hochw. Jan Maneschg, einem Verwandten aus La Pli / Enneberg. Ihm gegenüber begann sie, das Schweigen zu brechen. Noch mehr vertraute sie sich dem Bruder ihres Arbeitgebers, dem damaligen Theologiestudenten Carlo Maneschg an, der einen Teil seiner Ferien bei seinem Bruder verbrachte. So wurden nach gut einem halben Jahrhundert Einzelheiten über Catarinas Einsatz bekannt, und als sie 1854 in La Plie / Pieve beerdigt wurde, geschah dies mit militärischen Ehren.
Zumindest ab etwa 1850 gab es also in Ladinien Leute, die das "Mädchen von Spinges" mit Namen und Geburtsort kannten, nicht so im übrigen Tirol, auch wenn selbst dort einzelte Personen von der Herkunft des Mädchens wissen mussten, wie aus einer Bemerkung des bayrischen Gelehrten Ludwig Steub hervorzugehen scheint. Die Personalien der Heldin sowie Einzelheiten aus ihrem Leben erfuhr man im ganzen Lande erst durch einen 1870 erschienenen Zeitungsartikel – 73 Jahre nach dem Spinger Gefecht und 16 Jahre nach Catarinas Tod. Der Artikel enthielt zwar auch die eine oder andere Fehlinformation, doch war er der Beginn von weiteren Untersuchungen. Vor allem waren es der bereits erwähnte Carlo Maneschg und der damalige Richter in Enneberg Kaspar Ruepp, die weitere Nachforschungen anstellten und sich 1882 für die Anbringung von zwei Gedenktafeln in St. Vigil einsetzten. Hochw. Carlo Maneschg wollte auch eine Lebensgeschichte verfassen; durch seinen verfrühten Tod wurde er jedoch daran gehindert.
Seit 1870 galt also Catarina Lanz aus St. Vigil allenthalben als „das Mädchen von Spinges“. Doch 1911 versuchte ein gewisser Johann Mayr, Bauer in Neustift, eine 1771 aus Natz gebürtige "Katharina Lanz", die 1797 seinen Verwandten Andreas Mayr aus Spinges geheiratet hatte, als das Heldenmädchen von Spinges auszugeben, uzw. auf Grund eines Heiratsvertrages. Zunächst erregte Mayr Aufsehen, doch meldeten sich bald ladinische Zeugen, darunter auch Geistliche. Mayr wurde nicht mehr ernst genommen, und 1912 wurde in La Plie / Pieve das große Catarina-Lanz-Denkmal errichtet. Jahre vergingen, bis 1937 der pensionierte Archivar Dr. Karl Klaar Mayrs Behauptungen übernahm und in diesem Sinne einen langen Artikel veröffentlichte. Die politischen und kriegerischen Ereignisse der folgenden Jahre unterbanden jedoch weitere Diskussionen, bis 1948 die Antwort von Prof. Anselm Sparber, einem anerkannten Kirchenhistoriker am Brixner Priesterseminar, kam. Sparber analysierte das von Mayr angegebene Dokument und musste feststellen, dass es gefälscht worden war! Er kontrollierte auch die Matrikelbücher der Pfarre Natz, in denen die angebliche "Katharina" einzig und allein mit dem Namen Helena eingetragen ist. U.a. betonte er auch, dass - im Gegensatz zu Enneberg und Buchenstein - die Volksüberlieferung weder in Spinges noch in Natz eine dortige Heldin kennt und dass beide Ortschaften Gelegenheit zum Einspruch gehabt hätten, vor allem als man in St. Vigil (1882) und in Spinges (1897) Gedenktafeln für die ennebergische Catarina Lanz anbrachte. Ich hätte diese Mayr-Klaar-Geschichte gar nicht erwähnt, hätte nicht 1997 ein Mitarbeiter der "FF" die Frage gestellt: "Hat es das Mädchen von Spinges überhaupt gegeben? - Katharina, die Ungewisse". Dabei wurden im Grunde die Thesen von Dr. Klaar ganz kurz aufgewärmt - ohne seinen Namen zu nennen. Auch wurden der Artikel und die Argumente von Prof. Sparber mit keinem Wort erwähnt! Umsonst war der „FF“-Artikel allerdings nicht, denn am 5. Juli 2004 sendete die RAI-Sender Bozen einen Beitrag im Fernsehen: "Katharina Lanz, das Mädchen von Spinges - Wahrheit oder Legende?", wobei die Betonung eindeutig auf der Legende lag.
Lois Craffonara, ehemaliger Direktor des Ladinischen Kulturinstitutes „Micurà de Rü“
Zumindest ab etwa 1850 gab es also in Ladinien Leute, die das "Mädchen von Spinges" mit Namen und Geburtsort kannten, nicht so im übrigen Tirol, auch wenn selbst dort einzelte Personen von der Herkunft des Mädchens wissen mussten, wie aus einer Bemerkung des bayrischen Gelehrten Ludwig Steub hervorzugehen scheint. Die Personalien der Heldin sowie Einzelheiten aus ihrem Leben erfuhr man im ganzen Lande erst durch einen 1870 erschienenen Zeitungsartikel – 73 Jahre nach dem Spinger Gefecht und 16 Jahre nach Catarinas Tod. Der Artikel enthielt zwar auch die eine oder andere Fehlinformation, doch war er der Beginn von weiteren Untersuchungen. Vor allem waren es der bereits erwähnte Carlo Maneschg und der damalige Richter in Enneberg Kaspar Ruepp, die weitere Nachforschungen anstellten und sich 1882 für die Anbringung von zwei Gedenktafeln in St. Vigil einsetzten. Hochw. Carlo Maneschg wollte auch eine Lebensgeschichte verfassen; durch seinen verfrühten Tod wurde er jedoch daran gehindert.
Seit 1870 galt also Catarina Lanz aus St. Vigil allenthalben als „das Mädchen von Spinges“. Doch 1911 versuchte ein gewisser Johann Mayr, Bauer in Neustift, eine 1771 aus Natz gebürtige "Katharina Lanz", die 1797 seinen Verwandten Andreas Mayr aus Spinges geheiratet hatte, als das Heldenmädchen von Spinges auszugeben, uzw. auf Grund eines Heiratsvertrages. Zunächst erregte Mayr Aufsehen, doch meldeten sich bald ladinische Zeugen, darunter auch Geistliche. Mayr wurde nicht mehr ernst genommen, und 1912 wurde in La Plie / Pieve das große Catarina-Lanz-Denkmal errichtet. Jahre vergingen, bis 1937 der pensionierte Archivar Dr. Karl Klaar Mayrs Behauptungen übernahm und in diesem Sinne einen langen Artikel veröffentlichte. Die politischen und kriegerischen Ereignisse der folgenden Jahre unterbanden jedoch weitere Diskussionen, bis 1948 die Antwort von Prof. Anselm Sparber, einem anerkannten Kirchenhistoriker am Brixner Priesterseminar, kam. Sparber analysierte das von Mayr angegebene Dokument und musste feststellen, dass es gefälscht worden war! Er kontrollierte auch die Matrikelbücher der Pfarre Natz, in denen die angebliche "Katharina" einzig und allein mit dem Namen Helena eingetragen ist. U.a. betonte er auch, dass - im Gegensatz zu Enneberg und Buchenstein - die Volksüberlieferung weder in Spinges noch in Natz eine dortige Heldin kennt und dass beide Ortschaften Gelegenheit zum Einspruch gehabt hätten, vor allem als man in St. Vigil (1882) und in Spinges (1897) Gedenktafeln für die ennebergische Catarina Lanz anbrachte. Ich hätte diese Mayr-Klaar-Geschichte gar nicht erwähnt, hätte nicht 1997 ein Mitarbeiter der "FF" die Frage gestellt: "Hat es das Mädchen von Spinges überhaupt gegeben? - Katharina, die Ungewisse". Dabei wurden im Grunde die Thesen von Dr. Klaar ganz kurz aufgewärmt - ohne seinen Namen zu nennen. Auch wurden der Artikel und die Argumente von Prof. Sparber mit keinem Wort erwähnt! Umsonst war der „FF“-Artikel allerdings nicht, denn am 5. Juli 2004 sendete die RAI-Sender Bozen einen Beitrag im Fernsehen: "Katharina Lanz, das Mädchen von Spinges - Wahrheit oder Legende?", wobei die Betonung eindeutig auf der Legende lag.
Lois Craffonara, ehemaliger Direktor des Ladinischen Kulturinstitutes „Micurà de Rü“
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