Die Marketenderin - Frauen in Traditionsvereinen
1. Die Figur der Marketenderin als Repräsentantin der Frauen in frühneuzeitlichen Söldnerheeren, die Sonderstellung des Tiroler Standschützenwesens und die Rolle von Frauen im frühneuzeitlichen Tiroler Wehrsystem.
2. Die Beteiligung der Frauen an den antinapoleonischen Aufständen in Tirol: wie wurden insbesondere die Versorgung mit Lebensmittel und die Pflege der verwundeten Schützen organisiert?
3. Die Traditionalisierung der Marketenderin im 19. Jahrhundert: Wir wissen aus der Forschung, dass die Mythisierung Andreas Hofers bereits wenige Jahre nach dem Aufstand von 1809 einsetzte. Ab wann gibt es die ersten Schützenvereine und wie kam man auf die Idee, die Figur der Marketenderin, die als historische Realität in Tirol keine Tradition hatte, als Traditionsfigur zu konstruieren?
4. Mittels ethnologischer Feldforschung soll die heutige Praxis der Einbeziehung von Frauen in Traditionsvereinen aus Sicht der heutigen Marketenderinnen erforscht werden: Wie kamen sie zu der Rolle, wie interpretieren sie sie usw.
Das Projekt stellt einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der historischen Rolle von Frauen in militärischen Zusammenhängen, als auch zur Frage der Konstruktion von Tradition dar. Die Frage nach der gegenwärtigen Praxis wird (und kann selbstredend nur) auf der Grundlage dieser historischen Entwicklung erörtert werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen historischer Forschung und enthnologischer Feldforschung ist unerlässlich. Durch eine Kombination der beiden Zugänge soll ein umfassendes Bild von historischer Entwicklung und gelebter Praxis entstehen.
Die Ergebnisse der Forschung sollen in einem fundierten und gleichzeitig publikumswirksam gestalteten Buch publiziert werden und zwar voraussichtlich als Sonderband der Reihe „Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs“ im Jahr 2009.
Die Forschungen werden von einem Team bestehend aus drei Historikerinnen und einer Ethnologin durchgeführt: Astrid von Schlachta, Ellinor Forster und Eva Werner (Universität Innsbruck), Elisabeth Tauber (Brixen). Die Koordination des Forschungsprojektes und die Betreuung des Buchprojektes liegen bei Siglinde Clementi (Bozen).
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