Die Mooskapelle in Grinzens
Es gibt an Haufn Gschichtln über die Mooskapelln in Grinzns, und es isch a schwar, wenn ma nit woaß, welche richtig isch und welche falsch! Ih tat iatz sagn, in jedn Gschichtl isch a Funkn Wahrheit drein und ih hol mar iatz de Funkn außa:
Am 27. Mai 1841 isch die Anna Brecher als arms Bauernmadl in Grinzns auf die Welt kemmen. Sie hat oa Schweschter und drei Briader ghab. De fünf Gschwischter ham im Hausnamen „die Seapeler“ (Pusterer)ghoaßn. Sie waren alle fünfe ledig und ham mitnand die Bauerschaft gfiahrt. Der Sepp war der Bauer, der Hans und der Franz ham im Stall und auf die Felder garbeitet, die Greatl war im Haus und die Anna, die Jüngschte, de hat „merkwürdige Zuaständ“ ghab. Manchmal hat sie ganz hysterisch gschrian! „De isch vom Teifl bsessn“ ham die Nachbarn gmunklt. Heit tat mar sagn, sie isch „schizophren“ gwesn!
Die Anna isch nit gern in die Kirchn gangen und hat ah nia betet. Oamol isch sie in die Grinzinger Felder gsessn und hat bitterlich gwoant, weil sie glab hat, dass sie der Teifl nit hoamgiahn lasst. Zuafällig isch a Nachbarin vorbeikemmen und hat des Haifl Elend da sitzn gsehgn. Die Anna hat ihr load tun. Sie isch hoamgloffn und hat a Weihwasser gholt. Und wia sie mitn Weihwasser kemmen isch und in Tuifl auizoag hat, isch er vaschwundn. Die Anna isch augstandn und hat endlich hoamgiahn kennen.
Mit a 20 Joahr hat sie in der Nacht an Tram oder a Vision ghab. Sie hat a überirdischs Wesn gsehgn, was ihr a Waldraster Muttergottes Bild vom Scheffn in der Schlafkammer zoag hat. Sie sollt des Bild holen und im Wald, wo iatz die Mooskapelln steaht, also auf an bestimmtn Platzl aufstelln. Die Anna isch gleih nägschtn Tag zum Scheffnbauern gangen und hat iahm de Gschicht dazählt.
Der Bauer war gar nit überrascht, im Gegntoal er war froah: „Woll woll, des Bild isch schu da, des kunnsch gern habn, ih hunns bis iatz alm obern Bett hängen ghob. Aber heit die Nocht ischs mar auf n Grind ochagfallen!“
Auf an schian Platzl in Untergrinzns hat also die Anna `s Muttergottesbild augstellt und der Sepp hat `s Gerüscht für die Kapelle dazuagmacht. Mit a paar Buabn, da war noh der Großvater vom Bercher Albert dabei, isch sie Moos sammln gangen. Sie hat jeds Mol lei a Sacktiachl voll Moos vom untern Wald mit auanemmen kennen, weil siensch der Teifl des Moos vo ihr wieder ausglaart hat. (weil sie sinsch der Teifl gholt hatt)
Zwischn die Lattn ham sie `s Moos augschlichtet und so isch de Mooskapelle Driml fir Driml entstandn. Der Teifl hat nah koa Freid mehr ghab mit ihr. Er isch wek und hat sich wahrscheinlich eppan andern ausgsuacht.
Die Anna war ghoalt, isch in die Kirchn gangen und hat betn kennen.
Ma dazählt sich, dass ah andre Leit ghoalt wordn sein und dass alm noh kloane Wunder passiern, wenn die Leit in die Mosskapelln giahn.
Am 27. November 1876 hat die Anna in Klimbauern vo Axams Dornach gheiratet und am 19. Dezember 1920 isch sie wegn Herzmuschklschwäche gstorbn und in Axams begrabn wordn.
1974 isch die Mooskapelln total obrennt, isch aber vo der freiwillign Feierwehr Grinzns wieder aubaut worn. Der Alois Wegscheider hat in Plan dazua zeichnt. Moos isch ah wieder vawendet worn! Am 2. Juli 1976 isch nah die neie Kappelln vom Professer Adalbert Mumelter eingweicht worn. Heit ischs alm noh a bsunders Platzl, wo viele Leit hingiahn und sich vielleicht eppes wünschn. Manchmal werd ah gheiratet drein.
Und die Valiabtn, de alm noh gern zur Mooskapelln spaziern, wern sicher nit wissen, dass sie eppa gar der Tuifl holt. Sie tatns wahrscheinlich ah gar nit merkn!
Biografie:
Lilo GALLEY, Jahrgang 1947, ist Autorin und lebt in Innsbruck. „Mei isch des schian- in Berg auigiahn!“ Dieser Ausspruch war die Grundlage zur Mundartdichtung. Die Autorin schrieb 2 Mundartbücher – „Mei Welt“ herausgegeben vom Turmbund Innsbruck, „Ih mecht Dar was sagn“ Welsermühlverlag. „In die Truhchn einigschaut“, das neueste Werk wurde 2007 präsentiert. Ein weiteres Kinderbuch erscheint demnächst im Wolfgang Hager Verlag. Kontakt: lilo.galley@chello.at
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