Tirol und Südtirol grüßen Wien
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Elfriede Blaikner, Vaters Arbeit, Kindheit in Silz

Mein Vater war als junger Jurist „Grundbuchanlegungskommissär“. Das heißt, in Tirol gab es damals noch keine Grundbücher.

Da musste man bei jedem einzelnen Grundbesitzer die Rechtsfragen erforschen, die Rechte, die auf dem Grund lagen und die Schulden erfragen. Das musste alles eingetragen werden, das kam in eine eigene Niederschrift für ein Grundbuch. Erst in den Jahren 1906-10 sind in Tirol die Grundbücher eingeführt worden. Bis dahin gab es freie Bedingungen und die Folge waren Streitigkeiten unter den Besitzern, weil nichts amtlich festgelegt war.
Dann war mein Vater in einer ähnlichen Angelegenheit tätig als „Militärauditor“. Dabei hat er sich in Südtirol als „Anbaukommissär“ betätigt. Die meisten jungen Leute waren eingerückt, es war also niemand da, der für die Anlagen der Weingärten und für Gemüseanlagen gesorgt hat. Vater hat neben seiner Tätigkeit eines Militärstaatsanwalts als Anbauoffizier geregelt, dass die Leute Hilfskräfte zur Verfügung bekommen haben. Da war er dann der sehr geliebte Auditor, weil er den Leuten geholfen hat. In der schlechtesten Zeit, in den Jahren 1917-18, gab es in Südtirol also diese Anbaukommission.
Das hat er neben seiner Staatsanwaltstätigkeit beim Militär gemacht, weil er von der Notlage der Bevölkerung erfahren hat.
 
Ich kann mich noch erinnern in Silz, an die große Aufregung, wie das erste Auto durchgefahren ist. Da ist das halbe Dorf zusammengekommen. Der hat sich vor das Auto hingekniet und an der Kurbel gedreht, dass es wieder in Schwung gekommen ist. Dann hat die ganze Bevölkerung zugeschaut, wie das gefahren ist. Da hat alles geschrieen.
Und im Ötztal drin, wo wir im Sommer waren, da war der Verkehr hinein mit Stellwagen, großen Stellwagen, mit den Pferden. Wo die Autos gekommen sind, hat man den Pferden die Augen zugehalten mit den Scheuklappen, weil die sich ja gefürchtet haben. Die Pferde haben ja gescheut. Das ist alles mit sehr vielen Schwierigkeiten vor sich gegangen, wie die ersten Autos da hinein sind in das Ötztaler Gebiet. Und die Pferdefuhrwerke mussten sich dran gewöhnen. Den Stellwagenverkehr hat man dann langsam nach dem Ersten Weltkrieg eingestellt. Davor haben wir aber noch die Stellwagen gehabt.
Am Bahnhof in Ötztal waren große Pferdeställe mit dem Fuhrwerkspark, wo die Stellwagen ausgetauscht worden sind, und da sind sie hinein gefahren bis Sölden. Das Ötztal war damals schon ein ausgesprochenes Fremdenverkehrsgebiet, schon damals vor dem Ersten Weltkrieg. 
 
Biografie
 
Elfriede Blaikner wird 1904 in Imst geboren. Sie erinnert sich an ihre ersten Jahre in der Silzer Dorfschule und Ausflüge ins Ötztal. Von ihrem Vater weiß sie zu berichten, dass er im Ersten Weltkrieg Mlitärauditor in Südtirol war. Sie kommt mit ihren Eltern nach Feldkirch, besucht dort die Bürgerschule und absolviert dann die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck. Sie wird zunächst  „Wanderlehrerin“ in Vorarlberg und lernt dabei das Land gut kennen. 1935 heiratet Frau Blaikner. Zunächst unterbindet das Lehrerinnenzölibat und dann ihre sozialdemokratische Einstellung die Ausübung ihres Berufes. Für die Nazis ist sie „unvertrauenswürdig“. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert sie sich politisch, wird Landesrätin im Vorarlberger Landtag.  „Ich schaue zufrieden auf mein Leben als  Mutter, Hausfrau und Landesrätin zurück. Aber 7 Jahre Nazi-Zeit möchte ich nicht mehr erleben“, erklärt sie beim Interview am 17.2. 1998 im zweistündigen Videointerview, das Manuel Mattweber im Auftrag des Österreichischen Zeitzeugenarchivs führt.
 
© Text und Bild: Österreichisches Zeitzeugenarchiv
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