Elisabeth Loch, vom Segen der guten Wurst
(Kaiser Franz Josef war am 9. Juli 1909 in Hall. Anm. d. Verf. Quelle: Haller Stadtbuch 1981) Hall isch schon a nette Stadt. Mir haben ein sehr schönes Geschäft gehabt, ganz ausgefliest, ein gewölbter Laden, total ausgefliest, heute ist ein Blumenladen drinnen in der Wallpachgasse. Der Vater war ein guter Metzgermeister, speziell die Wurst, da war er voraus, denn er hat in Deutschland seine Gesellenjahre gemacht und die waren dazumal uns weit voraus uns Österreicher. Deutschland war ja viel größer.
Ich weiß halt auf Weihnachten sind zu uns viele arme Leute einergangen. Die Mutter hat g’sagt, schau, die armen Leut´ tragen ihre Kreuzer auch zu uns einer, des hat sie uns beigebracht, die sein genauso zu achten, als wie die, die weiß Gott was haben, die sein oft lang nicht das. Und das war gut so. In Hall waren ja die Salinenarbeiter, die Saline, und die hab’n wirklich nicht viel g’habt, als wie Kinder. Und zu Weihnachten hat sie ihnen halt je nach dem, wie groß die Familie war, allweil a Kranzl Wurst einigeben. Des hat einen Segen gebracht.
Ja, da ist die Kriegszeit kommen. Da haben wir nichts mehr zu verkaufen g’habt. Jetzt hat die Mutter sich denkt, sie muss die Madeln irgendwie beschäftigen, sonst tun sie grad herumflanieren und nicht in das richtige Milieu kommen. Die Bärenwirtin von Hall, die hat mich dann ins Hotel Kreid als Kochlehrling bracht.
Der erste Weltkrieg hat a bisserl was durcheinander bracht bis sich das wieder hat alles geregelt. Da wären die Kommunisten bald aufkemmen, doch das haben die Sozialisten noch unterdrücken können. So ist das gangen. Ab und zu fallt mir wieder was ein, wie’s g’wesen ist.“
(Elisabeth Loch, 1998)
Biografie:
Geboren im Jahr 1900 in Hall, Tochter des beliebten und erfolgreichen Selchermeistes Franz Markl. Sie hatte zwei ältere Geschwister und vier jüngere. Nach der Schule im Institut zu den Barmherzigen Schwestern in Stams („Da warn ma eben gut aufgehoben“) wurde sie im „Hotel Kreid“ angestellt. Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen, der dort Oberkellner war.
Text: © Österreichisches Zeitzeugenarchiv
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