Franz Aschenbrenner, seine Freunde Trenker und Dibona
Haben mich die Kameraden dann unten gefragt, wie es war. Hab ich gesagt: „Ich bin ein Trottel, nicht geeignet.“ „Das gibt´s doch nicht“, hat dann ein Lehrer gesagt, „lächerlich. Was hättest d´ denn gesagt, wenn er gefragt hätte, welche Arten von Schnee es gibt?“ Da hätt´ ich gesagt, Firn, Harsch, Neuschnee und so weiter.“
Ich bin dann also doch zur Bergführerausbildung gekommen, nach Gröden. Dort hab ich dann den Luis Trenker kennen gelernt, der mich sozusagen in die Familie mit aufgenommen hat, weil ich ein guter Gitarrespieler war und sie haben gern gesungen. In Gröden hab´ ich dann die Ausbildung gemacht und bin in die Ambezzaner Dolomiten gekommen, also zu den Drei Zinnen.
Da war der Hauptmann Bilgeri. Und einer war dort, ein Angelo Dibona (siehe Kommentar), einer der Ambezzaner - Führer, eine Größe, weil der damals schon ins Ausland gefahren ist zu Expeditionen. Und dann haben sie die Namen verlesen, und da verliest der vorne, schwer hörbar: „Angelus Dibona“. Er rührt sich nicht. Dann schreit er noch einmal: „Angelus Dibona.“ Sagt der: „Paß er auf, du Aff du, ich hab schon gesagt, ich bin nicht da!“ Hab ich mir gedacht, freundlich ist der nicht, aber woher kenn ich den? Dibona, ach ja! Ich hab in den Alpenvereinszeitschriften gelesen über die Dibonakante in den Drei Zinnen. Sie ist die schwierigste Klettertour in den ganzen Ambezzaner Dolomiten. Ich bin dann mit ihm ganz vertraut geworden. Man hat sich vermisst, wenn der eine fünf Minuten auch nur weg war, bis zum Ende vom Krieg am Ortler...
Biografie
Geboren am 30. Juni 1898, stammt aus einer Sailerfamilie in Salzburg, will zunächst Förster werden, beginnt dann aber als Praktikant in einer Buchhandlung, wird dann Buchhändler. Sein Vater ist Wachbediensteter und Militärmusiker. 1916 rückt Aschenbrenner zuerst als Telefonist ein, wird dann unter Hauptmann Bilgeri, dem k. u. k. Oberbefehlshaber für das Alpinwesen, Heeresbergführer, eingesetzt im Gebiet der Ambezzaner Dolomiten, gerät am Ortler in Gefangenschaft. Zwei Jahre lang muss er da Ziegel brennen und erzählt von den Würmern im Reis. „Das war unsere Fleischkost“. Ganz anders erleben Offiziere die Gefangenschaft. Prof. Dr. Dr. hc. Leopold Vietoris erzählt in seinem Interview für das Österreichische Zeitzeugenarchiv, dass er in Gefangenschaft seine Doktorarbeit schreiben konnte und gut verpflegt wurde.
Zum Zeitpunkt des Videointerviews, 1998, ist Aschenbrenner der letzte Überlebende des Rainer-Regiments.
Kommentar
Luis Trenker würdigt Angelo Dibona so: „Er war der berühmteste und erfolgreichste Bergführer seiner Zeit, vielleicht der universellste. Kein anderer Dolomitenführer kann ähnliche Leistungen aufweisen, und unter den jungen wird es so bald keinen geben, der ihm gleichkommt an menschlicher Größe …"
Die Bergführerkollegen von Dibona hießen Angelo Dimai und Luigi Rizzi. Mit ihnen unternahm er zahlreiche Neutouren. Als einer der Ersten schlug er Haken, wenn einer Kletterstelle anders nicht beizukommen war.
Text und Bild: Österreichisches Zeitzeugenarchiv
Text und Bild: Österreichisches Zeitzeugenarchiv
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