Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
Landesfesttage
18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Hannes Hundegger, Ritterspieler und Krippenschnitzer

„Was heute vor drei Wochen war, weiß ich nicht mehr, aber von früher! Das war 1927/28/29. Da haben wir Ritterspiele aufgeführt. Selbst gedichtet! Die Dummheiten hat man noch im Kopf.

 
Ich war der Herold: „Das Ritterstück geht jetzt dann los. Die Köpfmaschine die geht famos. Neun Menschen büßen´s Leben ein für den Verschönerungsverein.“ Und wie ich geköpft worden bin in dem Ritterstück hat eine Bäuerin das Kreuz gemacht und gesagt: „Der Herr gebe ihm die selige Ruh.“ Es war eine Mordshetz.
 
Der Bruder Karl war die Königstochter. Der kann so gut schielen. Ich hab der Reih nach die Gestalten vorgestellt. „Die Königstochter Ursula, ihr lieben Leut, hier steht sie da. Sie trägt verhüllt meist ihr Gesicht, drum könnt ihr sie eben sehen nicht.“ Wie wir das aufgeführt haben, da hab ich ins Horn gestoßen und Gäste eingeladen. Ein Freilichtspiel. Kommt eine Dame. Sie sagt: „Sie sind doch wohl eine fahrende Schauspieltruppe?“ Und ich: „Nein, wir sind Sommerfrischler und spielen für den Verschönerungsverein.“ Und sie: „Vielleicht kann ich mich nützlich machen. Ich bin in Wien am Burgtheater.“ Sag ich: „Ja, gnädige Frau, ich wäre sehr froh, wenn Sie uns die Mädeln schminken könnten.“ Die hat das dann prächtig gemacht. Toll!
 
Im Turnier kämpfen sie dann um die Gunst der Königstochter. Der eine Ritter stürzt. Und die Königstochter sagt: „Papa, was zappelt denn der Mann. Ich glaub, er hat sich wehgetan.“ Ja, das war heiter. Wir waren die letzten Raubritter.  (Hannes Hundegger, 1997)
 
Biografie:
 
Hannes Hundegger (Jahrgang 1903) wächst zusammen mit weiteren neun Geschwistern in einem gutbürgerlichen Haus auf. Die Mutter stammt aus einer Adelsfamilie, der Vater ist Akademiker. Das Aufstellen der Krippe in seiner Kindheit ist für Hannes prägend. Er macht sich als Krippenbauer einen Namen.
 
Kommentar:
 
Die „Mordshetz“ mit dem Ritterspiel, an die sich Hundegger erinnert, gibt es bei den „Pradlern“ bis heute. Ihre kulturelle Vorgeschichte ist uns kaum mehr bewusst. Vor dem Zusammenbruch der Monarchie waren Ritterspiele eine Sache, die von heiligem Ernst getragen war.
Mit der schwindenden realen Bedeutung Österreichs im Spiel um die Macht in Europa wurde das Ideal der Ritterlichkeit zunehmend zur kulturellen Überlebensschwärmerei.
Beim Herz - Jesufest am 9. Juni 1809, feierte man im ganzen Land die gewonnene Schlacht bei Aspern und gleichzeitig die dritte Befreiung Tirols durch die Landesverteidiger. Man sah uralte Zeiten am Horizont und dachte an die Morgenröte der Wiederauferstehung alter Herrlichkeiten.
Der größte Umzug – nebst Ritterspiel - fand in Hall/Tirol statt, wobei man sich hier an den Maximilianischen Festumzug des Ritters Baldauf zurück erinnerte. Da sah man gepanzerte Helden mit Standarten und Lanzen, umgeben von Engelchören und Schäferpaaren, Zunftstangen, Fahnen, Trompetern zu Pferd in spanischer Kleidung, Schützenkompanien in hechtgrauer Uniform, den Klerus mit Monstranzen, Bauern bewaffnet mit Hellebarden, eine endlose Kette von Kranzljungfrauen. Und der Höhepunkt war dann das Freitheater „Klara von Hoheneichen“ (Josef Hirn. Tirols Erhebung im Jahre 1809. Innsbruck 1909. S.489)
 
Text & Bild: © Österreichisches Zeitzeugenarchiv
Kommentar: Dr. Ekkehard Schönwiese
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