Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
Landesfesttage
18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Hofertheater

„Hofertheater", ein Buchprojekt des Haymonverlages, sieht die kriegerischen Auseinandersetzungen in Tirol zwischen 1796 und 1814 aus theatralischer Sicht.

Dabei geht es aber weniger um die Auseinandersetzung mit den 200 Andreas Hofer – Stücken, die in den 200 Jahren geschrieben worden sind, sondern um Inszenierungen, bei denen nicht immer klar ist, wer die Rollen verteilt und den Text vorschreibt, wo aber dem Leser einsichtig gemacht werden kann, wie sich der jeweilige Zeitgeist dramaturgischer Gesetze bedient.
Bevor Andreas Hofer auf der Bühne der Landesverteidigung eine Rolle zu spielen begann, war der moralisch sattelfeste, starke Tiroler bereits eine bekannte Figur. Es wurde mit ihr die Wunschvorstellung verbunden, dass man mit Hilfe des von vor Kraft strotzenden und unverdorbenen Gebirgsbewohners den Kampf gegen die Deformationen der Zeit, vor allem gegen den aus Frankreich kommenden Werteverfall aufnehmen könne.
Der Aufruf zur Ablöse vom absoluten Vorbild Frankreich war übrigens keine Sache in Folge der Französischen Revolution. 
Der Kulturkampf zwischen jenen, die sich lustvoll dem französischen Geschmack unterworfen haben und jenen die leidenschaftlich „Los von Frankreich" predigten tobte - zumindest am Theater - schon, bevor Napoleon geboren wurde.
 
Unter anderem beschwor Gottfried Ephraim Lessing in seiner Hamburgischen Dramaturgie den Geist des nationaldeutschen Widerstandes gegen die Fremdbestimmung durch Frankreich herauf.
Die Protagonisten der Schlachtfelder nachfolgender Jahrzehnte waren erst Kinder, aber ihre Rollen waren schon geschrieben. 
Vor den ersten Schachten, in denen sich Andreas Hofer in der Verteidigung Tirols einen Namen machte, gab Emanuel Schickaneder dem starken, moralisch felsenfesten, unbedarften und beherzten Tiroler, der gegen die französische Unmoral zu Felde zieht, den Namen „Tyroler Wastl". Die Figur wurde in den Jahren bis 1814, also vom ersten Tiroler Kriegsjahr, 1796 bis Kriegsende, der Liebling des Wiener Vorstadttheaters.
Der Tyroler Wastl, eine Durchhalte- und Hoffnungsfigur?
Was ist zuerst da, der Mensch oder der Mythos? Wenn das Rollenbild schon da ist, bevor sich jemand mit ihm identifiziert, wie kommt es, dass jemand diese Rolle annimmt?
Als Andreas Hofer zu Innsbruck das Amt eines Landesvaters übernahm, klang das nicht gerade so, als hätte er sich diese Rolle gewünscht. Er hat, pflichtschuldig und treu diese Rolle angenommen. Seine Waffenbrüder haben diese Übernahme erwartet, und er erfüllte das verinnerlichte Rollenbild eines Tiroler Stellvertreters seines Herrn in Wien und seiner lieben Himmelsfrau ohne zu zögern und bis zum bitteren Ende.
Er ist nach allen Regeln der dramatischen Kunst als Identifikationsfigur zuerst entdeckt worden, mit der Übereichung der kaiserlichen Ehrenkette hochgejubelt und schließlich dem unvermeidlichen Absturz ausgesetzt worden, ohne den kein Held ein Held ist, ohne den sich Zuschauer nicht erschüttern lassen und ohne den er nicht die Tiroler Identifikationsfigur geworden wäre. 
Auf der Suche nach dramaturgischen Gesetzmäßigkeiten in den Realinszenierungen rund um das Tiroler Heldenzeitalter entschlüsselt sich Kulturgeschichtliches, jenseits der Ästhetik von Schlachtengemälden und medialen Rezeptionen, auch jenseits von Begriffen wie „Freiheitskampf", „Erhebung", „Volksaufstand" und „Landesverteidigung".
 
„Hofertheater" (Arbeitstitel) ist ein Buchprojekt, bei dem Ekkehard Schönwiese, nach mehreren Semestern Lehrveranstaltungen am Institut für Europäische Ethnologie zu dem Thema und fünf von ihm verfassten Theaterstücken dazu Bilanz zieht.
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