Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
Landesfesttage
18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Johann Pletzer - Vom Überessen und Schifahren

Der Vater war ein ganz gewöhnlicher Mensch, ein Fassbinder. Aber die Mutter ist eine Bäuerin gewesen. Die war von einem Bauernhaus. Und die konnte alles. Eine Bäuerin muss viel können, viele verschiedene Sachen kochen und die Fleischverarbeitung, das ist eine Wissenschaft für sich mit dem Speck.

Da haben wir fast alle Jahre ein Schwein geschlachtet, aber es hat keinen Kühlschrank gegeben. Sie haben das Fleisch am Hausdach aufbewahrt und mit Schnee zugedeckt, damit es länger bleibt. Und da haben wir dann ein paar Wochen Fleisch gehabt und dann wieder nur Mehlspeisen.
Und dann ist die Firmung gekommen und es hat einen Firmpaten gegeben. Und nach der Firmung – die hat stundenlange gedauert - ist man ins Gasthaus gegangen. Da hab´ ich Essen gekriegt, bis da hinauf. (zeigt an den Hals) Später haben sie noch einen Kaffe aufgetragen, einen richtigen Kaffee und eine Torte dazu Und das hab´ ich nicht (vermögen) ertragen und ich musste hinaus laufen und bin nicht einmal auf ´s Klo hinaus gekommen. Es ist alles zurück hinauf gekommen. Bevor sie mich nach Hause geschickt haben, hat der Göd auch immer gegessen und mit den anderen Leuten geredet und ich habe so viel gegessen bis ich gebrochen habe. Das war nachher mein Firmungsessen. Ein Kind von zehn Jahren so lang füttern bis es erbricht. So ist meine Firmung gewesen. Und dann die Kommunion, ist auch gewesen. Man hat das schönste Gewand angezogen, die Mädchen haben wohl weiße Kleider gehabt und die Haare herunterhängen. Da sind wir in der Kirche aufgestellt worden. Ein Mädchen hat sich selber die Haare angezündet. Zum Glück ist eine Lehrerin in der Näher gewesen und die hat es gelöscht. Nachmittags ist ein Gasthausbesuch gewesen mir den Firmlingen und da haben wir so alkoholfreies Kracherl hat das geheißen und haben ein Stück Torte dazu gekriegt bei der Erstkommunion, da hab´ ich nicht mehr gebrochen, das hab´ ich mir gemerkt von der Firmung. Ja und zu Weihnachten, da war es halt auch so, ärmlich, ärmlich (15 Sekunden Pause) Was wir heute zuviel haben, haben wir damals zu wenig gehabt. (Pause) Und dann. Schifahren. Gelernt hab ich es nicht aber Schi gefahren bin ich. Es hat schon Schilehrer gegeben, aber die musste man bezahlen. Wohl, wohl, ich bin schon Schi gefahren. Da hat es keine geregelte Piste gegeben einfach den Schnee. Wie er gewesen ist, ist er gewesen. Die, die halt näher am Berg gelebt haben, sind die besseren Schifahrer gewesen und je weiter weg von den Bergen, ist man schlechter gewesen, weil der Anmarsch so weit war und hinaufmarschieren hat man müssen. Ich bin schon hinauf gegangen, oh, ja wohl, mit Gurten. Man hat mit den Gurten gehen müssen, hinauf zu Fuß mit den Schiern. So ist das gegangen, wohl, wohl. Mit zwei Stöcken, ja, ja. Aber die Technik hat gefehlt. Manche Buben, die da am Berg waren, die waren schon Techniker, haben schon den so genannten Telemark können und den Stemmbogen. Ein bisschen Stemmbogen hab ich schon können, wohl, wohl.
 
Biografie:
Zum Zeitpunkt des Videointerviews ist Hans Pletzer mit 97 Jahren der älteste St. Johanner, lebt mit seiner 84jährigen Frau zusammen und meint dazu: „Wenn ich nicht meine Frau hätte, wäre ich ein armer Mann.“ Sein Vater fällt 1915 im Ersten Weltkrieg. Pletzer erinnert sich daran: „An die Nachricht vom Tod meines Vaters kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß nur mehr von einem Feldpater, der die Aufgabe hatte, die Sachen, eine Kette und die Uhr zu bringen aus Jesenice (deutsch. Aßling/Slowenien/Oberkrain), wo der Vater begraben ist.“ Die Mutter zieht die acht Kinder allein groß.
Ausführlich erzählt er über sein Leben als Soldat mit einer Pferdekompanie auf dem Rückzug von Konstanza (Rumänien) über Ungarn in die Steiermark. Seine Geschwister sind schon alle gestorben, einer war Regierungsrat ein anderer Maurer. „Wir können nichts machen, wenn wir gehen. Jetzt müssen wir herwarten, bis wir sterben können.“
 
© Ruth Deutschmann, Österreichisches Zeitzeugenarchiv, 1996
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