Karl Mandler - Feminist und Sozialist
Meine Mutter hat so viel einstecken müssen. Meiner Mutter ist so viel Unrecht geschehen. Meine Mutter (hält inne, sehr bewegt) hat so viele Tränen geweint. Und ich habe dann gesehen, dass es nicht nur in meiner elterlichen Familie, sondern auch in den anderen so oder so ähnlich gewesen ist, dass die Männer die Frauen einfach nicht ernst genommen haben. Dass die Männer den Frauen nichts zugetraut haben. Und ich selbst bin dann in dieser Zeit, also sagen wir 1923, da war ich 18 Jahre alt, da hab ich angefangen - ich als junger Mann in der in der sozialistischen Partei in der Stadtorganisation Kufstein - mich für die Frauen einzusetzen. Wir hatten eine Frau damals drinnen im Parteiausschuss, Adele Stürzl hieß sie. Sie war die erste, die unter dem Schafott ihr Leben gelassen hat für unser Österreich. (siehe Kommentar)
Aber es war nicht leicht - die Frauen haben zwar begonnen nach der Monarchie in Massenorganisationen etwas zu bewegen. Also beispielsweise bei den Kinderfreunden, im Schachclub bei den Naturfreunden, zum Teil auch im Arbeitersport. Man hat gesehen, dass Frauen nun kommen, aber etwas hat eben gefehlt in der gesamten sozialdemokratischen Partei, wie ich später selber feststellen musste. Man hat fast nichts oder eben zu wenig getan, um die Frauen politisch zu interessieren. Das hat man unterlassen. Gut, sie sind zu Streiks gegangen mit leeren Einkaufskörben, sie haben dort oder da eine Funktion in der Partei übernommen. Aber im Großen und Ganzen ist nichts geschehen, bis heute…“ (Karl Mandler, 1999)
Aber es war nicht leicht - die Frauen haben zwar begonnen nach der Monarchie in Massenorganisationen etwas zu bewegen. Also beispielsweise bei den Kinderfreunden, im Schachclub bei den Naturfreunden, zum Teil auch im Arbeitersport. Man hat gesehen, dass Frauen nun kommen, aber etwas hat eben gefehlt in der gesamten sozialdemokratischen Partei, wie ich später selber feststellen musste. Man hat fast nichts oder eben zu wenig getan, um die Frauen politisch zu interessieren. Das hat man unterlassen. Gut, sie sind zu Streiks gegangen mit leeren Einkaufskörben, sie haben dort oder da eine Funktion in der Partei übernommen. Aber im Großen und Ganzen ist nichts geschehen, bis heute…“ (Karl Mandler, 1999)
Biografie:
Karl Mandler, Sohn des Lokomotivführers Christian und der Fabriksarbeiterin Agnes Mandler, geboren 1905 in Graz, wächst in Tirol auf. Mit 16 wird er bereits Obmann der Sozialistischen Arbeiterjugend Kufstein, später Sozialdemokratischer Parteiobmann und Obmann der Freien Eisenbahnergewerkschaft Kufstein. Versetzt nach Bischofshofen tritt er dort als aktiv kämpfender "Schutzbündler“ in Erscheinung. Nach dem Bürgerkrieg wird er von den Österreichischen Bundesbahnen entlassen, übersiedelt nach Salzburg und tritt gleichzeitig in die illegale KP ein. In der Folge wird er von Schuschniggs Polizei und der Gestapo inhaftiert, geht 1942 zur Wehrmacht, und gerät in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 zurückkehrt. 1949 – 1956 ist Karl Mandler hauptberuflich bei den „Linkssozialisten“ tätig, anschließend wieder in der Versicherungswirtschaft. 1989 tritt er aus der Kommunistischen Partei aus.
Kommentar:
In seinem Buch „Verlorene Jahre“ beschreibt Mandler sein Leben als ideologisch hochmotivierter Austromarxist der Periode 1934 – 1945, den einsamen Kampf gegen Austrofaschisten und Nazis sowie das Gefühl der völligen Verlassenheit von der Sozialdemokratischen Führung: „ Und so habe ich mit tiefster Erschütterung erlebt, wie die Parteiführung - und leider auch der von uns hochverehrte Otto Bauer – im März 1933 tatenlos der Ausschaltung des Parlaments und dem Beginn des „autoritären“ Kurses der Regierung Dollfuß gegenüberstand, wie sie, durch ihre Angst vor revolutionärer Gewalt, im Februar 1934, den Untergang der Arbeiterbewegung einleitete, der auch völlig eingetreten wäre, hätten nicht junge aktive Marxisten auf eigene Faust den Kampf weitergeführt.“ (Siehe „Verlorene Jahre“)
In der NS-Zeit führt ihn sein Weg zu den illegalen Kommunisten, doch auch sie können ihm keine echten Auswege zeigen.
Bei den Dreharbeiten für das Österreichische Zeitzeugenarchiv erinnert sich Karl Mandler auf mitreißende Art an seine politische Vergangenheit und gewährt auch berührende Einblicke in seine Kindheit und Jugendzeit.
Adele Stürzl:
Adele Stürzl, geboren 1892 in Wien, wächst in großer Armut auf, schließt sich der Gewerkschaft an, zieht Ende des Ersten Weltkrieges mit ihrem Mann, dem Tiroler Hans Stürzl, nach Kufstein, tritt dort der Sozialdemokratischen Partei Österreichs bei, und wird auf regionaler Ebene rasch in leitende Positionen gewählt.
Ihre Hauptanliegen sind: Der Kampf gegen die Armut und die Gleichberechtigung der Frau. 1932 trennt sie sich von der krisengeschüttelten Sozialdemokratischen Partei Kufsteins, und tritt der Kommunistischen Partei Österreichs bei. Ende Mai 1933 wird die KPÖ verboten, am 25. Juli 1933 wird Stürzl das erste Mal verhaftet. Gemeinsam mit ihren GenossInnen setzt sie ihren Widerstand fort, verteilt u.a. Flugblätter, sammelt Gelder für das Rote Kreuz, organisiert Schulungen und Diskussionsabende, hält die Verbindung mit dem Zentralkomitee der KPÖ aufrecht. Als sie dann auch noch versucht einem Deserteur der Deutschen Wehrmacht zu helfen, wird sie im Juni 1942 von der Gestapo verhaftet. Sie wird nach Innsbruck gebracht, wo sie trotz Folter niemanden verrät. 1944 wird sie mit sechzehn Mitgefangenen nach München überstellt und - zusammen mit sieben von ihnen- zum Tod verurteilt. Die Begründung lautet, dass sie „bis zum Jahre 1942 in Tirol kommunistische Zellen aufgebaut oder kommunistische Bestrebungen gefördert und dadurch den Feind begünstigt
hatten.“ Adele Stürzl wird am 30. Juni 1944 in München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet.
Empfehlung:
„Verlorene Jahre“ – Kämpfe innerhalb der Linken, Erinnerungen eines Austromarxisten“
(Wien: Ibera & Molden Verlag, 1996, ISBN 3-900436-33-9)
(Wien: Ibera & Molden Verlag, 1996, ISBN 3-900436-33-9)
Text: © Österreichisches Zeitzeugenarchiv
Kommentar: Ruth Deutschmann
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