Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
Landesfesttage
18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Luise Holzknecht, den Gulden schwer verdient

Ja, das Alte bleibt drein im Kopf. Ich weiß noch, wo ich in Dienst ´gangen bin. Man hat zu Lichtmess den Lohn gekriegt, zu Maria Lichtmess, gell. Das ist der zweite Februar. Jetzt kriegt man ihn jeden Monat.

Da ist die Bäuerin, wo ich gearbeitet hab, mit meinem Lohn zum Vater ´gangen, hat alles dem Vater gegeben. Ich hab nichts gekriegt. Wie ich heimkommen bin, da hat mir der Vater – wie viel er gekriegt hat, weiß i auch nicht mehr... mir hat er einen Gulden hingeschmissen, auf den Tisch, der war rund gell, dass der aufn Boden g´fallen ist. Er hat ihn mir hingeschmissen und gesagt: „Aber sparen, sparen, ja nit verschmeißen.“ Ich hab ihn mir so schwer verdienen müssen, den Gulden. Andere vielleicht haben das Geld gekriegt, i hab nichts ´kriegt. Das war alles. Das ganze Jahr haben wir von nichts anderem gewusst als vom Arbeiten.
Meine Mutter hat Pflegekinder aufgenommen, uneheliche. Und wenn sie nimmer gezahlt haben, hat mich meine Mutter immer geschickt mit den Kindern, und das war so schwer, die Kinder zurückbringen. Einmal hab ich müssen nach Aldrans. Das Biabl ist schon ein Jahr Schule gegangen in Axams und das hat mir so leid getan, das Biabl. Das hab ich müssen wegbringen.
Wenn wir nicht gewusst haben, wo die Eltern umgehen, hab ich sie zu Bürgermeistern bringen müssen. Eines hab ich in Reith bei Seefeld abgeben müssen. Da bin ich über Axams und Völs zum Mittenwaldzug, bis nach Reith, wo ich es zurück ´geben hab müssen. Bei anderen zwei Kindern haben wir das Geld gekriegt. Die hab i können wieder mitnehmen. Da haben die Großeltern gezahlt, und die anderen hab ich müssen lassen.
Und immer hat die Mutter mich geschickt, weiß heut noch nicht warum, es waren doch noch zwei Schwestern da. Das war schwierig, das waren Zeiten, ha, das waren schlimme Zeiten. Das gibt´s heut nimmer, heut gibt’s Kinderheime und alles Mögliche. Ja, so war´s.
 
Biografie
 
Luise Holzknecht, geboren am 16. Sept. 1899 in Axams, war 1999 die älteste Volksschauspielerin in Tirol. Hundertjährig stand sie noch auf der Bühne. Ihre Mutter war Bäuerin, ihr Vater Zimmermann und Waldaufseher. Nebenbei waren sie Bauern. „Im Krieg war man froh, wenn man sich hat versorgen können“, sagte Luise beim Interview vor neun Jahren. Von ihren sieben Geschwistern sind zwei im Kindesalter gestorben. Ein Bruder ist im Ersten Weltkrieg gefallen. Ihr Mann, mit dem sie in Grinzens sesshaft wurde, nachdem sie einige Zeit als angehendes Schneiderin auf „Stör“ gewesen war, starb 1972. „Ich bin das Überbleibsel“, kommentierte Luise ihr Leben, das sie, rüstig bis zum Schluss im Kreis ihrer Familie verbracht hatte.
 
 
 
Text © Österreichisches Zeitzeugenarchiv
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