Maria Lanzinger - Kraut und Nudeln
Wie Krieg war, war immer Krieg, der erste und der zweite. Der erste ist noch der lobere (schlimmere) gewesen. Ja. Ich weiß auch nicht. Das redet man nicht. Das kann keiner verstehen. Was wir da alles getan haben! Das kann man jungen Leuten nicht sagen. Weil sie ´s nicht glauben. Sie können ´s nicht verstehen.
Wir sind arme Teufel g´wesen. Es hat ja niemand davonlaufen können.
Nachher sind wir nach Kössen g´kommen, nach dem Krieg. Da sind die Kinder g´wesen. Ich bin grad´ nur für die Kinder da g´wesen. Hab g´arbeitet, grad dass sie etwas g´habt haben.
Ja, ein paar hab ich schon daheim auf die Welt gebracht, wohl, nur für einen hab ich nach Innsbruck müssen in die Gebärklinik.
Zuerst haben s´ die Brust g´habt und dann haben s´ a Suppal ´kriegt. Ein gewöhnliches Mehlsupperl, ein dünnes; weil ´s ja nichts sonst g´geben hat. Gemüse und so hat ´s auch nicht g´geben, ein Brot haben s´ halt genagt….
Wir haben ja gar nichts gekannt. Paradeiser sind ja auch erst später ´kommen.
Da hat die Dirn ´was von der Auslage heraus g´nommen und hinein gebissen, und g´sagt: „Was ist denn das für a Äpfel?“ Ist ja kein Äpfel gewesen, ist ein Paradeiser g´wesen. Du hast ja nichts gekannt, ein Speitl (Spalte) von die Äpfel, a Kloatzn (gedörrte Birnen) und Kraut. Kraut und Nudeln und Erdäpfel. Wir haben vom Bauer ein Fleckerl gehabt. Da haben wir sie g´setzt.
Biografie:
Maria Lanzinger, geboren am 28. Juni 1895 als zweites Kind von acht Geschwistern in St. Ulrich am Pillersee. Der Vater ist Müller, die Mutter Hausfrau. Ihren Mann verliert sie kurz nach dem Ersten Weltkrieg und sie klagt noch im hohen Alter über den „Scheiß Krieg“, der ihr alles genommen hat doch merkt dazu an: „Was das Schicksal mit dir tut, das kommt. Zufriedenheit ist das beste Mittel.“
Text und Bild: (c) Österreichisches Zeitzeugenarchiv
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