Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
Landesfesttage
18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Maria Rogl , als Marketenderin bei Nazibonzen am Tisch

Und dann kommt er (Hitler) her, und geht hinter die ganze Reihe und grüßt auf die Seite auch noch und dann kommt er wieder daher nach vorne. Und dann hat er und so gezeigt, mit dem Zeigefinger hat er so gezeigt und dann sagt gleich der Flügelhornist hinter mir: „Moidele geh, da hat er dich gemeint.“

Na, sag ich, ich geh nit zum Hitler. Jetzt hat die Musik wieder weitergespielt, ich natürlich ja, völlig gezittert hab ich schon. Ein zweites Mal kommt er her und der Seiß-Inquart, der hat Augengläser gehabt, und da war der Seiß-Inquart bei ihm auf der rechten Seite. Dann hat er zu dem hinunter gezeigt. So. Nachher hab ich so getan, um zu zeigen: „Ich?“ „Ja!“ Auf der anderen Seite ist der Himmler gestanden: „Ja!“ Jetzt natürlich ist die Kette vorne aufgangen und meine Männer, die da gestanden sind, die haben alle gesagt: “Moidele geh, das ist für dich.“ Danach hab´ ich mich getraut erst. Ich bin über die Strasse gegangen bis auf die andere Seite, wo das Tor war. Da sind alles SS-Männer gestanden heraußen. Alles SS-Männer. Nachher ist die Tür aufgegangen. Dann war der Seiß-Inquart drinnen. Der ist schon von oben herunter ´gangen. Der hat mich nachher genommen, Das Panzele hat er da einem SS-Mann gegeben. Ich kann mich nur noch erinnern - ich tu ja von dem eigentlich nicht mehr so viel wissen - ich weiß nur, das Wichtigste kann ich euch noch sagen, und dann bin ich hinein gekommen in einen Hausgang, ein unendlich langer. Und da ist rechts und links die SS-Leibgarde gestanden. Das waren Männer mit vier oder fünf Meter ist mir vorgekommen (lacht), schrecklich und so schön geglänzt. Die Männer waren wie wenn sie gegossen worden wären. So sind die gestanden alle samt, wunderschön. Hat´s geheißen, das ist die Leibgarde vom Hitler. Nachher ist er mit mir hinüber da der Seyß-Inquart Da war der Himmler innen, und dann sind wir über eine Stiege hinauf. Und dann hat er mich oben in einen Saal hinein (geführt). Wunderbar der große Saal beim Sandwirt! Und da ist in Hufeisenform die Tafel aufgestellt gewesen, wunderbar gedeckt. Ich war zu jung, ich bin einfach zu jung gewesen und ich hab das nicht so richtig in mich aufgenommen.
 
Biografie
Maria Rogl kommt am 23. Nov. 1919 als älteste von zehn Kindern auf die Welt. Sie wird nach dem Hausnamen „Siggitzer“ am Nußdorfer Berg „Siggitzer Moidele genannt. „Das war natürlich gewaltig, obwohl sich der Vater einen Sohn verhofft hat“. Die Eltern sind Bauersleute in Dölsach, wo ´s Moidele auch die Volksschule besucht und recht katholisch erzogen wird. Mit 20 lernt sie einen feschen Mann kennen, wird schwanger. Nicht nur der Vater empfindet das als „unheimliche Schande“. Auch wenn sie als Ausgestoßene behandelt wird, der Kindesvater ist verheiratet, findet sie als Marketenderin einen Platz in der Dorfgemeinschaft. In dieser Funktion wird sie bei einer Massenveranstaltung in Kärnten von Hitler aus der Menge geholt und zum Reichsparteitag in Nürnberg eingeladen. Der Stolz des Nazivaters auf sein Moidele ist groß. Viele Jahre muss sich Moidele mit ihren zwei Kindern durchs Leben schlagen. Mit 50 heiratet sie. Sie wird „Vorbeterin“ im Dorf und erwirbt sich den Ruf einer begnadeten Erzählerin.
 
© Ruth Deutschmann, „Österreichisches Zeitzeugenarchiv“
 
© Bild: Robert Possenig
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