Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
Landesfesttage
18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Sabina Bihler, über den Glauben und den Oberlehrer Vogel

Der Glaube ist ein Geschenk Gottes. (große Pause) Ohne Glauben kann ich mir das Leben gar nicht vorstellen. Ohne Glaube. Weil er gibt immer wieder Halt. Man muss dafür dankbar sein.

Wie meine Lehrerin geheißen hat, weiß ich nicht, weil ich bei den  Bauer gearbeitet hab. Da musste ich im Dorf in die Schule gehen. Dann habe ich ein Schulfräulein gehabt und einen Lehrer. Vier Klassen auf einmal, muss sehr anstrengend sein. Für einen Lehrer. Der war auch religiös. Aber der Oberkehrer Vogel hat mich schon gfotzt. (=geschlagen; lacht) Da habe ich einen Zopf, auf jeder Seite ein Seidenmascherl gehabt. Und grad bei dem Querbrett auf dem Kirchenstuhl, wo man kniet, wenn man gesessen ist, hat das Mascherl genau da hin gepasst und ist mir locker geworden. Ich habe Angst gehabt, wenn ich nach Hause komm und ich hab´s Mascherl nicht mehr dran, dann krieg ich wieder Schläge. Da hab ich die Mädel hinter mir gebeten, dass sie mir das Mascherl fest machen. Da war grad die Predigt. Da sind wir dann gesessen und da ist mir das passiert. Die wurden auch gestraft, weil sie mir geholfen haben. 
Da musste ich vorgehen zum Speisgitter, daneben war eine Herz Jesu Statue. Und davor bin ich gestanden, die anderen Mädel auch. Ich war aber die Hauptschuldige, weil ich doch gebettelt hab, wann sie mir doch das Mascherl binden täten.
Aber der Lehrer hat gemeint, wir sind so ungezogen, und dabei hat es sich nur um das Mascherl gehandelt, weil das locker geworden ist.
Und der Herr Lehrer war bei der Orgel droben und hat zugesehen und ist heruntergekommen und hat uns nach vorn verlangt und hat uns geschlagen in der Kirche drin. 
Aber schon so, dass ich den Harn gar nicht zurückhalten konnte vor Angst. Also hab ich vor der Herz- Jesu Statue Wasser fallen gelassen. Konnte es nicht halten mehr. Ich war so verängstigt. Und ich hab mich geschämt.
Der Oberlehrer Vogel. Bei der Nazizeit ist er aufgehängt worden, weil er ein Sozialdemokrat war, ein fanatischer und da hat er mit einem russischen Sender Kontakt gehabt. Einen Schwarzsender hat er im Ofen versteckt und in der Schule hat sich sein Bub verplappert. „Jetzt weiß ich, warum der Papa immer ins Ofenloch hinein spricht.“ Kurz drauf ist der Papa geholt worden und nimmer heimgekommen, ist er von der Gestapo geholt worden.
 
Biografie: Jahrgang 1905, Krankenpflegerin, Missionstätigkeit, Passionsspielerin, Erl
 
© Österreichisches Zeitzeugenarchiv; Bild: Nachlass
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