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20.09.09

Tirol: Wanderausstellung zum Gedenkjahr - Vom Freiheitskampf zum Kassenschlager

Unter dem Titel „Tirol 1809 – 2009: Vom Freiheitskampf zum Kassenschlager“ hat Martin Reiter aus St. Gertraudi (Gemeinde Reith im Alpbachtal) anlässlich des Gedenkjahres 2009 eine Wanderausstellung zusammengestellt, die erstmals vom 19. bis 30. Jänner 2009 im Innsbrucker Einkaufszentrum SILLPARK gezeigt wird und dann durch die Tiroler Bezirke „wandert“.

Die Ausstellung umfasst insgesamt 17 Vitrinen und rund 30 große Schautafeln, die thematisch vom Tiroler Landlibell des 16. Jahrhunderts und den Besonderheiten der so genannten „Tiroler Nation“ über die napoleonischen Kriege und natürlich das Tiroler Schicksalsjahr 1809 bis zum Jahr 2009 führen.
 
Die Ausstellung zeigt Originaldokumente genauso wie Landsturmwaffen, Münzen und Medaillen, Originalbriefe von Andreas Hofer und Joachim Haspinger, die ersten Bücher, die über das Jahr 1809 und Andreas Hofer geschrieben wurden, zahlreiche Abbildungen des Freiheitskampfes, der Mitstreiter sowie der französischen und bayrischen Kontrahenten und viele Kuriositäten, die vielfach noch nie öffentlich ausgestellt wurden. Auch Bodenfunde von Kampfplätzen sind zu sehen. Besonders interessant sind ein Reliefbild, darstellend Andreas Hofer, aus der Hand des begnadeten Künstlers Johann B. Pendl aus dem Zillertal oder ein Relief Hofers auf der Kraxe eines Tiroler Wanderhändlers des 19. Jahrhunderts.
 
Kurios ist die Gegenüberstellung von Gebrauchsgegenständen des Jahres 1809 und 2009: ein antikes Bügeleisen neben einem Dampfbügeleisen von 2009, ein historischer Augenzwicker neben einer modernen Designerbrille, eine Schnupftabakdose aus Kuhhorn neben einer Plastikdose made 2009 in Bayern oder 200 Jahre alte Spielkarten neben solchen unserer Zeit. Dadurch wird den Betrachtern die Entwicklung von 1809 bis 2009 wortwörtlich vor Augen geführt.
 
Die Ausstellung widmet sich im Speziellen dem Mythos von 1809 sowie dessen bis heute anhaltender Vermarktung. In der Ausstellung gibt es deshalb auch zahlreiche bisher noch nie gezeigte Dokumente und Objekte sowie Souvenirs und Werbemittel, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Tirol 1809 und Andreas Hofer stehen. Etwa eine schon 1820 in London erschienene Hofer- Biographie, ein Hofer-Comic aus dem Jahr 1959, Zinnfiguren mit den Helden von 1809 u. a. Es wird aber auch aufgezeigt, dass vor allem das Ausland viel zum Mythos beigetragen hat. Es waren hauptsächlich antinapoleonische Staaten wie England, die den Hofer- bzw. Tirol-Mythos besonders förderten. Eine mit dem Asterix-Comic vergleichbare Situation, in dem sich das kleine gallische Dorf gegen den mächtigen Cäsar auflehnt und damit in den Mittelpunkt rückt. Denn auch Tirol war eigentlich ein Nebenschauplatz der napoleonischen Kriege, aber es war eben genau dieses kleine Bergvolk mit seinem Anführer Hofer, das sich als erstes dem mächtigen Napoleon entgegensetzte und ihn sogar dreimal erfolgreich besiegen konnte. Das genügte für eine Menge Mythen und Klischees. Auch der Verrat durch Raffl und der Tod zu Mantua trugen zur Mythenbildung bei, was von der katholischen Kirche unterstützt und mit der biblischen Geschichte Jesu verbunden (Raffl gleicht Judas) zum Heldentod hochstilisiert wurde.
 
Auch findige Kaufleute nutzten Hofer für ihre Werbezwecke. Der Sandwirt wurde als Sinnbild für „Qualität“ vermarktet. Am bekanntesten wurde hier der „ächte Andre Hofer Feigenkaffee“.
 
In der Ausstellung findet man u. a. zahlreiche Reklamebilder, Emailtafeln und Sammelbilder mit Hofers Konterfei und Szenen von 1809. Die Vermarktung dauert bis heute an, ob in Form von Souvenirkrügen, Südtiroler Weinen, Speck- und Wurstwaren oder als Nordtiroler Andreas-Hofer-Gulden aus Schokolade für Naschkatzen usw.
 
Die „Hofermania“ hat auch zur Entwicklung des Fremdenverkehrs in Tirol viel beigetragen. Und auch hier waren es schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder Touristen aus antinapoleonischen Staaten, die nach Tirol reisten, um jenes Land kennen zu lernen, dessen Bewohner sich gegen den mächtigen Napoleon so erfolgreich zur Wehr gesetzt haben.
 
 
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