Tirol und Südtirol grüßen Wien
13.-14.06.09
Landesfesttage
18.09.-20.09.09
Landesfestumzug
20.09.09

Tiroler Erinnerungskultur zu 1809

Tiroler Erinnerungskultur zu 1809

Die Jahre nach 1809
Angesichts der Verheerung, die Krieg und Aufstand im Land hinterlassen hatten, war die Tiroler Bevölkerung in den Jahren nach 1809, ja selbst nach der Rückgliederung an Österreich weit davon entfernt, eine positiv besetzte Erinnerungskultur an die Ereignisse des Jahres 1809 zu entwickeln. Die menschlichen Verluste, aber auch die kriegsbedingten Verwüstungen waren für viele Familien das traurigste und unvergeßlichste Andenken jener unglückseligen Ereignisse, wie es ein Zeitgenosse ausdrückte.
Auch das österreichische Herrscherhaus hatte kein Interesse an einer Thematisierung der Ereignisse von 1809. Diese Haltung des Hofes resultierte sowohl aus der prekären Rolle, die Kaiser Franz I. im Verhältnis zu den Tirolern 1809 gespielt hatte, als auch mit Blick auf den Aufstandscharakter der Erhebung, der im Vormärz alles andere als vorbildhaft erscheinen musste.
 
1823
Als so einige kaiserliche Offiziere 1823 die Gebeine Andreas Hofers in Mantua aus Eigeninitiative bergen und nach Innsbruck schaffen, entschließen sich der Hof und das Gubernium erst nach einigem Zögern zu einer feierlichen Beisetzung in der Hofkirche (Standbild von Johann Nepomuk Schaller und Josef Klieber 1833/34 bzw. 1837 (Relief)).
 
1838
Anlässlich der Erbhuldigung für Kaiser Ferdinand I. erteilte die Regierung den Auftrag, die Namen aller Gefallenen von 1809 zu erheben, „da sie ihre Fürstentreue und Vaterlandliebe mit dem Tode besiegelt haben und wohl verdienen, der Mit- und Nachwelt überliefert zu werden, um im Andenken der letzteren fortzuleben“. Der Telfer Bildhauer Anton Krismayr erhält den Auftrag ein Denkmal zu schaffen, das 1842 gegenüber dem Hoferdenkmal in der Hofkirche zu Innsbruck errichtet wird.
 
Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der Monarchie
Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt es schließlich in Tirol zu einer zunehmenden historiographischen wie öffentlichen Mythologisierung des Jahres 1809 und seiner Protagonisten. „Anno neun“ und insbesondere die Person von Andreas Hofer wurden für weite Teile der Tiroler Bevölkerung identitätsstiftend.
Repräsentativ für eine Vielzahl ähnlicher Publikationen illustrieren dies die einleitenden Ausführungen des damaligen Direktors des Statthaltereiarchivs und christlich-sozialen Politikers Michael Mayr, der einem kleinen Werk über Andreas Hofer 1899 einige allgemeine Bemerkungen voranschickte:
„Ein hochbegabtes Bauernvolk voll Kraft und Treue, dessen Geschichte uns Blatt für Blatt stets die gleiche Wertschätzung seiner höchsten Güter rühmt, erhob sich inmitten einer allgemeinen Völkerknechtung mit elementarer Gewalt für seine aus dem gottlosen Westen bedrohte Religion und für sein verlornes angestammtes Herrscherhaus, unter dessen schützendem Scepter es Jahrhunderte lang frei und ausgestattet mit einem hohen Maße nie missbrauchter Selbstverwaltung glücklich gelebt hatte.“
Im Zuge einer ständigen Rekonstruktion eines mit bestimmten Werten aufgeladenen Bildes von den Ereignissen des Jahres 1809 kam es freilich wiederholt zu unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen. Bis in die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts waren so noch liberale Deutungsmuster vorherrschend, die den Aufstand von 1809 und konkret die Person von Andreas Hofer im Kontext von Patriotismus und (liberalem) Freiheitsbegriff verortet hatten. In den folgenden Jahrzehnten dominierte im Gefolge der katholisch-konservativen Aneignung und zunehmenden Monopolisierung der Erinnerung über 1809 vom Kulturkampf bis zum Ende der Monarchie die mit Nachdruck beschworene Treue Tirols zum Erzhaus Habsburg-Lothringen, die neben Religion und Wehrhaftigkeit als ein konstitutives Merkmal tirolischer Identität propagiert wurde. Nach dieser Lesart finde diese „unverbrüchliche Treue“ Tirols zum Herrscherhaus in den Ereignissen von 1809 ihren Höhepunkt und sichtbarsten Ausdruck. Allerdings wurde die Erinnerung über 1809 bereits zur Mobilisierung der Schützen anlässlich des Krieges von 1859 herangezogen.
 
1893
Nach dem Modell des Bildhauers Heinrich Natter wird eine überlebensgroße Statue von Andreas Hofer gegossen und am Bergisel auf einen großen Sockel aus Bozner Porphyr gestellt. An der Enthüllung des Denkmales am 28. September 1893 nimmt auch Kaiser Franz Josef I. teil. Er soll dabei Andreas Hofer „die edelste Verkörperung der Volksseele“ genannt haben.
 
1896
Das „Bündnis des Landes Tirol mit dem Heiligsten Herzen Jesu“ wurde schon in den Kriegen 1848, 1859 und 1866, wie später auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg feierlich bekräftigt.
In Bozen wird die Jahrhundertfeier am Herz-Jesu-Sonntag mit einem großen Umzug begangen, beim anschließenden Festgottesdienst erklingt erstmals auch das Lied „Auf zum Schwur Tiroler Land“.
 
1909
Gerade bei der mit ungemeinem Aufwand inszenierten Jahrhundertfeier 1909 stand der dynastische Bezug Tirols zur Dynastie im Vordergrund, bewusst wurde die Loyalität des Landes zum Herrscherhaus betont.
Bis zum Ende der Monarchie dominierte eine überschwängliche Loyalitätsbekundung gegenüber dem Kaiserhaus, sie prägte die literarischen Verarbeitungen des Themas und wurde gleichermaßen gerade in populären Geschichtsdarstellungen teilweise deutlich formuliert. So dominierte wohl der Festzug mit 30.000 Personen in Innsbruck die Jahrhundertfeier, die Anwesenheit des Kaisers wurde allerdings als der tatsächliche Höhepunkt empfunden.
 
1918–1938
In der Ersten Republik kam es unter dem Eindruck des Vertrags von Saint-Germain 1919 und der darin verfügten Abtretung Südtirols an Italien zu einer massiven Neuorientierung der Interpretation von „anno neun“. Die Ereignisse von 1809 wurden für den aktuellen Kampf um Südtirol herangezogen. Hier wie dort sah man die Unterdrückung eines durch eine auswärtige Macht in seinem Wesen bedrohten Volkes. Der Historiker Hermann Wopfner würdigt so in seinem kleinen Werk „Von der Ehre und Freiheit des Tiroler Bauernstandes“ (1934) den Tiroler Aufstand von 1809 mit folgenden Worten: „Tirols Kampf für seine Freiheit wird überall Bewunderung finden, wo immer Völkerfreiheit und völkische Selbstbestimmung als Güter gewertet werden, die der größten Opfer würdig sind. Tirol hatte gezeigt, was ein mutiges Volk, das für seine Freiheit kämpft, vermag [....].“ Es ist schon aufgrund der Schlagworte „Völkerfreiheit“ und „völkische Selbstbestimmung“ augenscheinlich, dass sich diese Ausführungen nicht nur auf 1809, sondern ebenso (und vielleicht noch mehr) auf die Gegenwart der Tiroler Zwischenkriegszeit beziehen.
 
1934
Ungeachtet dieses Hintergrunds inszenierte man die Erinnerung an 1809 im Jahr 1934 (125-Jahrfeier) nur vergleichsweise verhalten öffentlichkeitswirksam. Zwar wurde der Bundeskanzler Dollfuß, der im Juli 1934 bei einem nationalsozialistischen Putschversuch getötet worden war, in einer patriotischen Feier im September mit Andreas Hofer verglichen; mit Rücksicht auf das faschistische Italien, das sich (noch) als diplomatische Stütze im Kampf Österreichs mit dem nationalsozialistischen Dritten Reich anbot und das es nicht zu vergrämen galt wurde allerdings die Südtirolproblematik in den offiziellen Gedenkfeiern (vor allem in jener am Bergisel am 2. September 1934) bewusst ausgeklammert.
 
1938–1945
Auch die Nationalsozialisten instrumentalisierten die Tiroler Erhebung von 1809 in ihrem Sinn, beispielsweise wenn Gauleiter Franz Hofer bei den Feiern am 20. Februar 1809 die Ehrung Andreas Hofers mit einem „nationalsozialistischen Bekenntnis“ verband. Dennoch wurden die Jahre von 1938 bis 1945 keine Hochzeit der Erinnerung an 1809. So fügte sich die 1809 als Motivationsfaktor eine erhebliche Rolle spielende Religiosität der meisten Akteure alles andere als gut in das „völkisch“ geprägte nationalsozialistische Geschichtsbild. Zudem erwies es sich für eine konsequente Instrumentalisierung durch den Nationalsozialismus als kontraproduktiv, dass sich der Kampf der Tiroler primär gegen Bayern – in der Lesart der Zeit somit gegen „deutsche Stammes- und Volksgenossen“ – gerichtet hatte.
 
Ab 1945
Die Nachkriegszeit fand daher auch wenig überraschend einen nahtlosen Anschluss an die dominierenden Interpretationsmuster der Zwischenkriegszeit. Insbesondere blieb die ständige
Rückkoppelung mit der Lage Südtirols unverändert erhalten, wenngleich sie zumindest in wissenschaftlichen Publikationen nicht mehr so deutlich greifbar wird. Höhepunkt der offiziellen Feierlichkeiten 1959 war der Festzug in Innsbruck am 13. September 1959 mit rund 25­ 000 Teilnehmern, an dessen Spitze eine „Dornenkrone“ als Zeichen für „den Schmerz des Tiroler Volkes über die gewaltsame Trennung des Landes“ mitgetragen wurde.
 
1984
In der öffentlichen Erinnerung spielte auch 1984 die Südtirolproblematik im Rahmen der Feierlichkeiten eine gewisse, wenn auch im Vergleich zu 1959 deutlich reduzierte Rolle. Wieder kam es zum Mitführen einer Dornenkrone bei einem großen Festumzug mit 34 000 Teilnehmern, die innertirolisch Diskussionen und Verstimmungen zwischen Österreich und Italien zur Folge hatte. Allerdings ging der fortschreitende Wandel Tirols im Vierteljahrhundert von 1959 bis 1984 von einem agrarisch-bäuerlich geprägten Land zu einer Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft an der Erinnerungskultur zu 1809 nicht spurlos vorüber und wurde teilweise ausdrücklich thematisiert. Ein Festredner des Jahres 1984 formulierte so„Manche Worte, manche Begriffe, die sich vor 25 Jahren noch allgemeiner Wertschätzung erfreuten, scheinen inzwischen fragwürdig geworden zu sein.“
 
DVD Bestellung
Bestellung unter
email: pr@tirol.gv.at
Telefon: +345125082242
Veranstaltungen
SA 4. Februar
Suchen... Barrierefreie Version... Impressum... CD Manual...