Andreas Hofer — Anführer der Tiroler Erhebung von 1809
Vom Sandwirt im Passeiertal zum Symbol des Tiroler Widerstands: Leben, Wirken und Nachleben des Mannes, dessen Name untrennbar mit dem Jahr 1809 verbunden ist.
Andreas Hofer zählt zu den bekanntesten Gestalten der Tiroler Geschichte. Sein Aufstieg vom Gastwirt im Passeiertal zur Führungsfigur der Erhebung von 1809 und sein Tod in der Festung Mantua haben ihn über die Region hinaus bekannt gemacht. Dieser Beitrag fasst sein Leben, sein Wirken im Jahr 1809 und sein Nachleben in der Erinnerungskultur zusammen.
Herkunft und frühe Jahre
Andreas Hofer wurde am 22. November 1767 am Sandhof bei St. Leonhard in Passeier geboren. Der Hof gab ihm den Beinamen „Sandwirt“, unter dem er bis heute bekannt ist. Als Wirt, Vieh- und Weinhändler war Hofer im Passeiertal und darüber hinaus gut vernetzt. Seine Handelsreisen führten ihn regelmäßig über die Pässe nach Süden; das verschaffte ihm Kenntnis von Land und Leuten, die ihm später zugute kommen sollte.

Tirol gehörte über Jahrhunderte zu den habsburgischen Ländern. Mit dem Frieden von Preßburg fiel das Land 1805 jedoch an das Königreich Bayern, das mit Napoleon verbündet war. Die bayerische Verwaltung führte Reformen ein, die in weiten Teilen der Bevölkerung auf Widerstand stießen: Eingriffe in die kirchliche Ordnung, neue Steuern und die Aushebung von Rekruten für fremde Kriegsdienste verletzten das Selbstverständnis der Tiroler.
Der Weg in die Erhebung
Im Frühjahr 1809 plante Österreich einen neuen Krieg gegen Napoleon und suchte Verbündete im Land. Tiroler Vertraute – unter ihnen Andreas Hofer – reisten nach Wien, um sich abzustimmen. Als die österreichischen Truppen vorrückten, brach im April 1809 die Erhebung los. Innerhalb weniger Tage griff sie vom Inntal auf weite Teile des Landes über.
Hofer trat dabei nicht als militärischer Fachmann auf, sondern als Mann, dem die Schützen vertrauten. Seine Autorität gründete weniger auf Rang als auf Ansehen, Verlässlichkeit und einer tiefen Verbundenheit mit den überlieferten Rechten des Landes. An seiner Seite standen erfahrene Köpfe wie der Feldkommandant Josef Speckbacher und der Kapuzinerpater Joachim Haspinger.
Das Jahr 1809 und der Bergisel
Im Mittelpunkt der Erhebung stand der Bergisel, ein Hügel südlich von Innsbruck. Dort kam es im Lauf des Jahres 1809 zu mehreren Kämpfen zwischen den Tiroler Verteidigern und den bayerisch-französischen Truppen. Der dritte Kampf am 13. August 1809 endete mit einem Erfolg der Tiroler; die Besatzung zog sich zurück, und Innsbruck war wieder in der Hand der Aufständischen.

Nach diesem Sieg übernahm Hofer für einige Wochen die Verwaltung des Landes. Von der Innsbrucker Hofburg aus trat er als „Oberkommandant“ auf, ordnete das öffentliche Leben und versuchte, eine geregelte Verwaltung aufrechtzuerhalten. Diese Zeit war jedoch kurz: Mit dem Frieden von Schönbrunn im Oktober 1809 trat Österreich Tirol erneut ab, und die militärische Lage der Aufständischen wurde aussichtslos. Ein vierter Kampf am Bergisel im November brachte keine Wende mehr.
Eine ausführliche Darstellung der einzelnen Kämpfe bietet der Beitrag zu den Schlachten am Bergisel.
Gefangennahme und Tod in Mantua
Nach dem Scheitern der Erhebung hielt sich Hofer im Winter 1809/1810 in einer Almhütte im Passeiertal versteckt. Sein Aufenthaltsort wurde verraten; Anfang 1810 wurde er gefangen genommen und in die Festung Mantua gebracht. Dort stellte ihn ein französisches Kriegsgericht vor Gericht. Am 20. Februar 1810 wurde Andreas Hofer erschossen.
Sein Tod machte aus dem Wirt eine Symbolgestalt. Schon bald entstanden Berichte, Bilder und Lieder, die sein Ende festhielten. Das bekannteste ist das Gedicht „Zu Mantua in Banden“ von Julius Mosen aus dem Jahr 1831, das später vertont und zur Landeshymne Tirols wurde.
Nachleben und Erinnerung
Im 19. Jahrhundert wurde Andreas Hofer zur zentralen Erinnerungsfigur Tirols. 1823 wurden seine Gebeine nach Innsbruck überführt und in der Hofkirche beigesetzt. Am Bergisel erinnert ein Denkmal an ihn, und zahlreiche Orte tragen seinen Namen. Das MuseumPasseier am ehemaligen Sandhof zeichnet sein Leben und die Geschichte der Erhebung nach.
Die Deutung Hofers hat sich über die Zeit gewandelt. Lange galt er vor allem als Held einer treuen, kaiserfreundlichen Haltung. Spätere Betrachtungen haben sein Bild differenziert und ihn stärker in den europäischen Zusammenhang der napoleonischen Zeit eingeordnet. Im Gedenkjahr 2009 stand diese vielschichtige Erinnerung im Mittelpunkt: Tirol, Südtirol und das Trentino begingen den 200. Jahrestag der Erhebung gemeinsam.
Einordnung
Andreas Hofer steht exemplarisch für eine Bewegung, die von vielen getragen wurde. Seine Person bündelt die Erinnerung an 1809, sollte aber nicht den Blick darauf verstellen, dass die Erhebung das Werk zahlreicher Schützen, Bäuerinnen und Bauern, Geistlicher und Kommandanten war. Wer sein Leben betrachtet, betrachtet zugleich ein Schlüsseljahr der Geschichte des Alpenraums.
Häufige Fragen
Wer war Andreas Hofer?
Andreas Hofer (1767–1810) war ein Gastwirt und Viehhändler aus dem Passeiertal in Südtirol. 1809 wurde er zur zentralen Führungsfigur der Tiroler Erhebung gegen die bayerische Verwaltung und die napoleonische Vorherrschaft und übernahm nach dem Sieg am Bergisel zeitweise die Verwaltung des Landes.
Warum wird Andreas Hofer „Sandwirt“ genannt?
Hofer betrieb den Sandhof, einen Gasthof am Sand bei St. Leonhard in Passeier. Nach diesem Anwesen erhielt er den Beinamen „Sandwirt“, unter dem er bis heute bekannt ist.
Was geschah 1809 in Tirol?
Nachdem Tirol 1805 von Österreich an das mit Napoleon verbündete Bayern gefallen war, erhoben sich 1809 die Tiroler Schützen- und Landsturmkompanien. In mehreren Kämpfen, vor allem am Bergisel bei Innsbruck, gelang es ihnen zeitweise, die Kontrolle über das Land zu gewinnen.
Wann und wo wurde Andreas Hofer hingerichtet?
Andreas Hofer wurde am 20. Februar 1810 in der Festung Mantua (Lombardei) nach einem französischen Kriegsgerichtsverfahren erschossen.
Wo wurde Andreas Hofer geboren?
Er wurde am 22. November 1767 am Sandhof bei St. Leonhard in Passeier geboren, im heutigen Südtirol.
Welche Rolle spielte Hofer in den Schlachten am Bergisel?
Hofer war eine der führenden Gestalten der Erhebung und an der Organisation des Widerstands maßgeblich beteiligt. Besonders der dritte Kampf am Bergisel im August 1809 gilt als der entscheidende Erfolg, nach dem Hofer die Regentschaft übernahm.
Was bedeutet die Bezeichnung „Oberkommandant von Tirol“?
Nach dem Sieg im August 1809 führte Hofer für einige Wochen die zivile und militärische Verwaltung Tirols von der Innsbrucker Hofburg aus. In dieser Zeit trat er als „Oberkommandant“ auf, bis sich die militärische Lage erneut wendete.
Wer verriet Andreas Hofer?
Nach dem Scheitern der Erhebung hielt sich Hofer im Passeiertal versteckt. Sein Aufenthaltsort wurde verraten, woraufhin er Anfang 1810 gefangen genommen und nach Mantua gebracht wurde.
Was ist das Andreas-Hofer-Lied?
„Zu Mantua in Banden“ ist ein Gedicht von Julius Mosen aus dem Jahr 1831, das den Tod Hofers besingt. In der Vertonung wurde es später zur offiziellen Landeshymne Tirols.
Wo befindet sich das Grab von Andreas Hofer?
Hofers Gebeine wurden 1823 nach Innsbruck überführt und in der Hofkirche beigesetzt, wo sich sein Grabdenkmal befindet.
Gibt es ein Museum zu Andreas Hofer?
Das MuseumPasseier am ehemaligen Sandhof bei St. Leonhard widmet sich seinem Leben und der Geschichte der Erhebung. Auch am Bergisel und in Innsbruck wird an die Ereignisse von 1809 erinnert.
War Andreas Hofer für die Unabhängigkeit Tirols?
Hofer kämpfte nicht für eine Loslösung von Österreich, sondern für die Rückkehr Tirols unter die Habsburger und für die Wahrung der überlieferten Rechte und der katholischen Ordnung des Landes.
Wie alt wurde Andreas Hofer?
Er wurde 42 Jahre alt: geboren 1767, hingerichtet im Februar 1810.
Warum gilt Hofer als Tiroler Nationalheld?
Sein Eintreten für Tirol, sein Aufstieg vom einfachen Wirt zur Führungsfigur und sein Tod machten ihn im 19. Jahrhundert zur Symbolgestalt der Tiroler Identität und Erinnerungskultur.
Was wurde 2009 an Andreas Hofer erinnert?
2009 jährte sich die Erhebung zum 200. Mal. Im Gedenkjahr 2009 erinnerten Tirol, Südtirol und das Trentino unter dem Leitwort „Geschichte trifft Zukunft“ gemeinsam an die Ereignisse und an die Person Hofers.
- MuseumPasseier — Andreas Hofer und 1809
- Tiroler Landesmuseen — Sammlung zur Geschichte von 1809
- Julius Mosen: „Zu Mantua in Banden“ (1831), Andreas-Hofer-Lied