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Die Festung Mantua — Ort der Hinrichtung 1810
Schauplätze

Mantua — der Ort der Hinrichtung 1810

In der lombardischen Festungsstadt endete der Weg Andreas Hofers: Gefangenschaft, Kriegsgericht und Hinrichtung am 20. Februar 1810.

Mantua markiert das Ende des Weges, den die Tiroler Erhebung mit Andreas Hofer nahm. In der lombardischen Festungsstadt fand der „Sandwirt“ 1810 den Tod — ein Ereignis, das ihn zur Symbolfigur machte.

Die Festungsstadt

Mantua (italienisch Mantova) liegt in der Lombardei in Norditalien. Die Stadt ist fast vollständig von Seen umgeben, die der Fluss Mincio bildet, und galt schon vor der napoleonischen Zeit als eine der stärksten Festungen Oberitaliens. Zur Zeit Napoleons war sie ein zentraler militärischer Stützpunkt und Verwaltungsort des französisch beherrschten Italien. Hierher wurden Gefangene gebracht, deren Fall vor ein Kriegsgericht gehörte — und damit auch jene, die im Widerstand gegen die napoleonische Ordnung als Anführer galten.

Tirol in zeitgenössischer Darstellung (19. Jh.)
Tirol in zeitgenössischer Darstellung (19. Jh.)

Gefangennahme und Prozess

Nach dem Scheitern der Erhebung hatte sich Andreas Hofer im Winter 1809/1810 im Passeiertal versteckt. Sein Aufenthaltsort wurde verraten; Anfang 1810 wurde er gefangen genommen und nach Mantua gebracht. Dort stellte ihn ein französisches Kriegsgericht vor Gericht. Über das Verfahren und das Urteil wurde nicht allein vor Ort entschieden: Napoleon selbst gab die Anweisung, das Todesurteil zu vollstrecken. Damit wurde der Fall Hofers zu einer politischen Entscheidung, die weit über die lokale Gerichtsbarkeit hinausreichte und den exemplarischen Charakter der Bestrafung unterstrich.

Die Hinrichtung

Am 20. Februar 1810 wurde Andreas Hofer in Mantua erschossen. Sein Tod machte aus dem Wirt eine Symbolgestalt: Schon bald entstanden Berichte, Bilder und Lieder. Das bekannteste ist das Andreas-Hofer-Lied „Zu Mantua in Banden“ von 1831, das den Ort dauerhaft mit seinem Schicksal verband. 1823 wurden Hofers Gebeine nach Innsbruck überführt und in der Hofkirche beigesetzt. Auch andere Anführer der Erhebung wie Peter Mayr bezahlten ihre Treue mit dem Leben.

Mantua in der Erinnerung

Während Innsbruck und der Bergisel für den Höhepunkt der Erhebung stehen, steht Mantua für ihr tragisches Ende. Der Ort wurde durch das Andreas-Hofer-Lied „Zu Mantua in Banden“ weit über Tirol hinaus bekannt und prägte das Bild vom standhaften Helden, der seinem Schicksal gefasst entgegentritt. Das Lied mit seiner eindringlichen Eröffnungszeile trug den Namen der Stadt in das kollektive Gedächtnis und verband ihn untrennbar mit Hofers Tod. Aus dem realen Ereignis von 1810 wurde so ein fester Bestandteil der Erinnerungskultur, der weit über die historischen Tatsachen hinaus wirkte.

Die Erhebung von 1809 forderte zahlreiche Opfer, doch keines wurde so nachhaltig erinnert wie das Ende des Sandwirts in Mantua. Dass die Hinrichtung fern der Heimat und auf ausdrückliche Anordnung der höchsten Stelle erfolgte, verstärkte ihre symbolische Wirkung: Sie erschien als Ausdruck einer übermächtigen Gewalt, der sich ein einzelner Mann gefasst entgegenstellte. Auf dieser Deutung beruht ein großer Teil der späteren Verehrung Andreas Hofers.

Andreas Hofer in Mantua
Andreas Hofer in Mantua

Heute erinnern in Mantua wie in Tirol Tafeln und Gedenkzeichen an die Ereignisse von 1810. Am überlieferten Ort der Hinrichtung halten Gedenkzeichen die Erinnerung wach, und in Tirol verweisen Denkmäler und das Andreas-Hofer-Lied auf das ferne Ende des Sandwirts. Sie verbinden die lombardische Festungsstadt mit der Geschichte des Alpenraums und machen sichtbar, wie weit der Bogen der Erhebung reichte — von den Tälern Tirols bis in die Po-Ebene. Für die Erinnerungskultur des Landes blieb Mantua ein fester Bezugspunkt: Wo Innsbruck und das Passeiertal Hofers Wirken und seine Herkunft bewahren, steht die lombardische Stadt für den Schluss seines Weges.

Die Festung und ihre Lage

Mantua war über Jahrhunderte eine der stärksten Festungen Oberitaliens. Von Seen und Sümpfen umgeben, galt sie als nahezu uneinnehmbar und wechselte in den napoleonischen Kriegen mehrfach den Besitzer. Für die französische Seite war sie ein zentraler Stützpunkt — und damit auch der Ort, an dem über Gefangene wie Andreas Hofer entschieden wurde. Die weite Entfernung vom Passeiertal bis in die Po-Ebene macht anschaulich, wie sehr das Ende der Tiroler Erhebung von Mächten und Entscheidungen außerhalb des Landes bestimmt war.

Dass ausgerechnet diese Festung zum Schauplatz wurde, ist kein Zufall. Mantua lag fest in französischer Hand und war weit genug von Tirol entfernt, um jede Möglichkeit einer Befreiung auszuschließen. Der Weg von den Bergen des Passeiertals bis in die Ebene des Po führte Hofer aus seiner vertrauten Welt heraus und in den Machtbereich jener Ordnung, gegen die sich die Erhebung gerichtet hatte. In dieser Verlagerung des Geschehens an einen fremden Ort liegt ein Teil der Wucht, mit der sein Ende später erinnert wurde.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Wo liegt Mantua?

Mantua (italienisch Mantova) ist eine Stadt in der Lombardei in Norditalien. Sie war zur Zeit Napoleons eine bedeutende Festung.

Warum ist Mantua mit Andreas Hofer verbunden?

Nach seiner Gefangennahme wurde Andreas Hofer in die Festung Mantua gebracht, dort vor ein französisches Kriegsgericht gestellt und am 20. Februar 1810 erschossen.

Wann wurde Andreas Hofer hingerichtet?

Am 20. Februar 1810 in Mantua.

Wie kam es zur Gefangennahme?

Nach dem Scheitern der Erhebung versteckte sich Hofer im Passeiertal. Sein Aufenthaltsort wurde verraten, woraufhin er Anfang 1810 gefangen genommen und nach Mantua gebracht wurde.

Was geschah mit Hofers Gebeinen?

1823 wurden seine Gebeine nach Innsbruck überführt und in der Hofkirche beigesetzt.

Welche Bedeutung hat Mantua in der Erinnerung?

Mantua steht für das tragische Ende der Erhebung. Das Andreas-Hofer-Lied „Zu Mantua in Banden“ machte den Ort in der Erinnerung weithin bekannt.

Porträt von Magdalena Unterkircher
Über die Verfasserin / den Verfasser

Magdalena Unterkircher

Redaktion · Tiroler Landesgeschichte

Magdalena Unterkircher schreibt über die Geschichte des Alpenraums im Zeitalter Napoleons. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Tiroler Erhebung von 1809, dem Alltag der Gebirgsschützen und der Erinnerungskultur rund um das Gedenkjahr 2009.