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Tirol heute — 200 Jahre nach der Erhebung
Gedenkjahr 2009

Das Gedenkjahr 2009 — „Geschichte trifft Zukunft“

Zweihundert Jahre nach der Erhebung erinnerten Tirol, Südtirol und das Trentino 2009 gemeinsam an 1809 — und fragten, was diese Geschichte für die Gegenwart bedeutet.

Zweihundert Jahre nach der Erhebung von 1809 stand das Jahr 2009 im Alpenraum ganz im Zeichen des Gedenkens. Unter dem Leitwort „Geschichte trifft Zukunft“ erinnerten Tirol, Südtirol und das Trentino gemeinsam an die Ereignisse — und fragten zugleich, was diese Geschichte für die Gegenwart bedeutet.

Ein gemeinsames Gedenken über Grenzen

Das historische Tirol von 1809 umfasste Gebiete, die heute auf Österreich und Italien verteilt sind. Genau deshalb war das Gedenkjahr 2009 grenzüberschreitend angelegt: Die Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino bildete den Rahmen, in dem die drei Landesteile ihrer geteilten Geschichte gemeinsam gedachten. Damit rückte nicht die Trennung, sondern das Verbindende in den Vordergrund.

Andreas Hofer — Albin Egger-Lienz, 1923
Andreas Hofer — Albin Egger-Lienz, 1923
200 Jahre · 1809 → 2009 1809 Erhebung 2009 Gedenkjahr Tirol Südtirol Trentino Die drei Landesteile der Euregio
Vom Aufstand 1809 zum gemeinsamen Gedenkjahr 2009 in der Euregio Tirol–Südtirol–Trentino.

Veranstaltungen und Formen des Erinnerns

Das Gedenkjahr war vielfältig: Ausstellungen, wissenschaftliche Tagungen, Gedenkfeiern und Festumzüge prägten das Jahr. Zu den sichtbarsten Ereignissen gehörte ein großer Landesfestumzug in Innsbruck, der Trachten, Schützen und historische Szenen im öffentlichen Raum zusammenbrachte. Im musealen Bereich wurde am Bergisel das Museum Das Tirol Panorama vorbereitet, dessen Mittelpunkt das Riesenrundgemälde der dritten Schlacht bildet.

Von 1909 zu 2009 — ein verändertes Gedenken

Wie sehr sich der Blick auf 1809 gewandelt hat, zeigt der Vergleich mit früheren Jubiläen. Schon 1909, zum hundertsten Jahrestag, war der Erhebung in großem Stil gedacht worden — damals jedoch ganz im Geist des späten 19. Jahrhunderts, das in Andreas Hofer und den Schützen vor allem nationale Heldenfiguren sah. Das Gedenken stand im Zeichen patriotischer Selbstvergewisserung und reihte 1809 in eine Erzählung von Treue und Opfer ein, die wenig Raum für Zwischentöne ließ.

Hundert Jahre später war der Ton ein anderer. Das Gedenkjahr 2009 bemühte sich um eine sachliche, mehrstimmige Betrachtung: Es fragte nach den Ursachen und Folgen der Erhebung, nach dem Leid der Bevölkerung und nach der Rolle, die der Mythos im Laufe der Zeit gespielt hatte. Damit spiegelte 2009 nicht nur die Ereignisse von 1809, sondern auch den Wandel der Erinnerungskultur selbst — weg von der reinen Heldenverehrung, hin zu einer Geschichtsbetrachtung, die das Verbindende über die heutigen Staatsgrenzen hinweg betont.

Eine differenzierte Erinnerung

Anders als frühere Jubiläen setzte 2009 auf eine reflektierte Sicht. Hatte das Gedenken im 19. Jahrhundert und noch 1909 stark die Heldenverehrung betont, so trat 2009 die Einordnung in den europäischen Zusammenhang der napoleonischen Zeit hervor. Andreas Hofer wurde nicht nur als Held, sondern als Gestalt einer komplexen Geschichte betrachtet, deren Deutung sich über zwei Jahrhunderte gewandelt hat. Wie diese Erinnerung gewachsen ist, schildert der Beitrag zu den Folgen und der Erinnerung.

Gedenkstein zum Hofer-Jubiläum 2009
Gedenkstein zum Hofer-Jubiläum 2009

Was vom Gedenkjahr bleibt

Geblieben sind neue Museen, Publikationen und eine vertiefte wissenschaftliche Aufarbeitung — vor allem aber das Bewusstsein für eine gemeinsame Geschichte, die über heutige Staatsgrenzen hinwegreicht. Das Leitwort „Geschichte trifft Zukunft“ fasst diesen Anspruch zusammen: Erinnerung nicht als bloßer Rückblick, sondern als Ausgangspunkt für Fragen an die Gegenwart des Alpenraums.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Was war das Gedenkjahr 2009?

2009 jährte sich die Tiroler Erhebung zum 200. Mal. Unter dem Leitwort „Geschichte trifft Zukunft“ erinnerten Tirol, Südtirol und das Trentino gemeinsam an die Ereignisse von 1809 und an Andreas Hofer.

Was bedeutet das Leitwort „Geschichte trifft Zukunft“?

Das Motto verband die Aufarbeitung der Vergangenheit mit der Frage, welche Bedeutung die Erinnerung an 1809 für das heutige Zusammenleben im Alpenraum hat. Es betonte die Brücke von der Geschichte zur Gegenwart.

Welche Gebiete waren am Gedenkjahr beteiligt?

Das Gedenkjahr hatte einen grenzüberschreitenden Charakter und umfasste die Euregio Tirol–Südtirol–Trentino, also den österreichischen und die beiden italienischen Landesteile des historischen Tirol.

Was ist die Euregio Tirol–Südtirol–Trentino?

Die Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino ist ein grenzüberschreitender Verbund der drei Länder, der gemeinsame Anliegen über die Staatsgrenze hinweg bündelt. 2009 bildete sie den Rahmen für das gemeinsame Gedenken.

Welche Veranstaltungen fanden 2009 statt?

Das Jahr umfasste Ausstellungen, wissenschaftliche Tagungen, Gedenkfeiern und Festumzüge. Ein großer Landesfestumzug in Innsbruck gehörte zu den sichtbarsten Ereignissen.

Warum wurde 1809 grenzüberschreitend begangen?

Das historische Tirol von 1809 umfasste Gebiete, die heute auf Österreich und Italien verteilt sind. Ein gemeinsames Gedenken trug dieser geteilten Geschichte Rechnung und betonte das Verbindende.

Wie veränderte 2009 das Bild von Andreas Hofer?

Das Gedenkjahr förderte eine differenzierte Sicht: Neben der heroischen Erinnerung trat die Einordnung Hofers in den europäischen Zusammenhang der napoleonischen Zeit stärker hervor.

Gab es eine zentrale Ausstellung?

Mehrere Museen widmeten sich 2009 dem Thema. Am Bergisel wurde in diesem Umfeld das Museum Das Tirol Panorama vorbereitet, dessen Mittelpunkt das Riesenrundgemälde der Schlacht bildet.

Welche Rolle spielte die Erinnerungskultur?

2009 reflektierte nicht nur die Ereignisse von 1809, sondern auch, wie über zwei Jahrhunderte an sie erinnert wurde — von der Heldenverehrung des 19. Jahrhunderts bis zu heutigen, kritischeren Deutungen.

Was bleibt vom Gedenkjahr 2009?

Geblieben sind neue Museen und Publikationen, eine vertiefte wissenschaftliche Aufarbeitung und das Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte der drei Landesteile.

Wie verhält sich 2009 zu früheren Jubiläen?

Schon 1909, zum 100. Jahrestag, war der Erhebung gedacht worden — damals stärker im Sinne nationaler Heldenverehrung. 2009 setzte demgegenüber auf eine reflektierte, grenzüberschreitende Perspektive.

War das Gedenkjahr nur ein Rückblick?

Nein. Das Leitwort „Geschichte trifft Zukunft“ zielte ausdrücklich darauf, aus der Erinnerung Fragen für das gegenwärtige Zusammenleben im Alpenraum abzuleiten.

Welche Bedeutung hatte der Landesfestumzug?

Der Festumzug machte die Geschichte im öffentlichen Raum sichtbar und brachte Trachten, Schützen und historische Szenen zusammen. Er war eines der publikumswirksamsten Ereignisse des Jahres.

Wird 1809 heute noch begangen?

Die Erinnerung an 1809 ist in Tirol fest verankert und wird regelmäßig gepflegt, besonders verdichtet zu runden Jahrestagen wie 2009.

Wo erfährt man mehr über die Ereignisse selbst?

Die Hintergründe schildern die Seiten zu Andreas Hofer, zu den Schlachten am Bergisel und zur Geschichte der Erhebung.

Quellen & weiterführende Literatur
  • Euregio Tirol–Südtirol–Trentino — gemeinsames Gedenkjahr 2009
  • Museum Das Tirol Panorama (eröffnet im Umfeld des Gedenkjahrs)
Porträt von Magdalena Unterkircher
Über die Verfasserin / den Verfasser

Magdalena Unterkircher

Redaktion · Tiroler Landesgeschichte

Magdalena Unterkircher schreibt über die Geschichte des Alpenraums im Zeitalter Napoleons. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Tiroler Erhebung von 1809, dem Alltag der Gebirgsschützen und der Erinnerungskultur rund um das Gedenkjahr 2009.