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Tiroler Schütze — Gemälde von Franz von Defregger
Persönlichkeiten

Josef Speckbacher — Feldkommandant der Erhebung

Der „Mann von Rinn“: einer der fähigsten militärischen Köpfe von 1809, bekannt für sein Geschick im Gebirgskrieg.

Unter den militärischen Anführern der Tiroler Erhebung von 1809 zählt Josef Speckbacher zu den herausragenden Gestalten. Als entschlossener Kommandant und Meister des Gebirgskriegs ergänzte er die Rolle Andreas Hofers, der die Erhebung als Ganzes verkörperte.

Herkunft

Josef Speckbacher wurde 1767 geboren und stammte aus dem Inntaler Raum um Gnadenwald und Rinn bei Hall. Als Bauer und Gastwirt war er in der Region verwurzelt und genoss bei den Nachbarn Ansehen. Der Beiname „Mann von Rinn“ knüpft an diese Verbindung zum Mittelgebirge östlich von Innsbruck an, wo er sein Aufgebot sammelte. Schon vor 1809 hatte er Erfahrung mit den Auseinandersetzungen der napoleonischen Zeit gesammelt, in denen Tirol mehrfach umkämpft war und schließlich unter bayerische Verwaltung kam. Diese Vorgeschichte schärfte seinen Sinn für das Gelände und für die Möglichkeiten eines Krieges, der von ortskundigen Schützen statt von regulären Heeren geführt wurde.

Josef Speckbacher
Josef Speckbacher

Der Feldkommandant von 1809

In der Erhebung trat Speckbacher als einer der fähigsten militärischen Köpfe hervor. Er sammelte Aufgebote, führte sie in den Kämpfen und galt als taktisch geschickt und persönlich mutig. Sein Geschick im Gebirgskrieg — das Ausnutzen des Geländes, rasche Vorstöße und Rückzüge — machte ihn zu einem gefürchteten Gegner. An der Seite Andreas Hofers und des Kapuzinerpaters Joachim Haspinger gehörte er zur Führung der Erhebung.

Während Hofer den Aufstand als Ganzes verkörperte und in den Schlachten am Bergisel zur Symbolfigur wurde, lag Speckbachers Stärke im beweglichen Krieg fernab der großen Linien. Mit ihm verbunden ist ein kühner Vorstoß über die Salzburger Grenze in den Raum um Melleck und Lofer, der den Operationsraum der Erhebung über Tirol hinaus ausdehnte. Solche überraschenden Aktionen festigten seinen Ruf als entschlossener Anführer, der sich auch dann nicht geschlagen gab, wenn die übergeordnete Lage längst aussichtslos schien.

In der Arbeitsteilung der Führung ergänzten sich die drei prägenden Gestalten auf charakteristische Weise. Hofer hielt als anerkannter Oberkommandierende die Bewegung politisch zusammen, der Kapuzinerpater Joachim Haspinger verlieh ihr geistlichen Rückhalt, und Speckbacher übernahm dort die Initiative, wo es auf rasches, eigenständiges Handeln im Feld ankam. Diese Verbindung aus Symbolkraft, Glauben und militärischem Können machte einen großen Teil der Schlagkraft aus, mit der die schlecht ausgerüsteten Tiroler Aufgebote den regulären Truppen über Monate hinweg standhielten.

Nach dem Scheitern

Als die Erhebung im Herbst 1809 zusammenbrach, musste Speckbacher fliehen und sich verbergen. Anders als Hofer, der verraten und hingerichtet wurde, entging er der Gefangennahme — der Überlieferung nach hielt er sich über den Winter unter größten Entbehrungen verborgen, ehe er sich in Sicherheit bringen konnte. Diese Monate des Untertauchens, fern von der Familie und stets von Entdeckung bedroht, gehören zu den bewegendsten Teilen seiner Geschichte und trugen wesentlich dazu bei, dass er später als Inbegriff der Ausdauer galt. Nach dem Ende der napoleonischen Ära kehrte er nach Tirol zurück, wo er 1820 starb. In der Erinnerung an 1809 nimmt er einen festen Platz unter den großen Gestalten der Erhebung ein.

Tiroler Freiheitskämpfer — Holzplastik
Tiroler Freiheitskämpfer — Holzplastik

Nachleben

In der Tiroler Erinnerung steht Speckbacher für den fähigen militärischen Kopf der Erhebung. Während Andreas Hofer zur Symbolfigur des ganzen Aufstands wurde, gilt Speckbacher als Inbegriff des entschlossenen Kämpfers, der das Gelände und die Möglichkeiten des kleinen Krieges meisterhaft nutzte. Auch sein junger Sohn Anderl fand Eingang in die populäre Überlieferung, in der er als kindlicher Begleiter des Vaters erscheint — eine Episode, die viel über den volkstümlichen Charakter der Erzählungen verrät, sich aber nicht in allen Einzelheiten belegen lässt.

Zahlreiche Orte und Erzählungen halten sein Andenken wach. Dass er das Scheitern der Erhebung überlebte und nach dem Ende der napoleonischen Zeit nach Tirol zurückkehren konnte, gab seiner Geschichte einen versöhnlicheren Ausgang als jenem Andreas Hofers — und machte ihn zugleich zum Zeugen einer Bewegung, die im Gedächtnis weiterlebte. In der bildenden Kunst und in der Heimatliteratur des 19. Jahrhunderts erscheint er immer wieder als der verwegene Gebirgskämpfer, dessen Findigkeit und Beharrlichkeit den Aufstand so lange am Leben hielten. Während Hofers Bild von seinem Märtyrertod geprägt ist, lebt Speckbacher in der Erinnerung als der Überlebende fort, der die Sache von 1809 in eine spätere Zeit hinübertrug und so zu einem Bindeglied zwischen dem Aufstand und seiner Nachwelt wurde.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Wer war Josef Speckbacher?

Josef Speckbacher (1767–1820) war ein Bauer und Gastwirt aus Gnadenwald bei Hall in Tirol und einer der bedeutendsten militärischen Anführer der Erhebung von 1809.

Warum nennt man ihn den „Mann von Rinn“?

Speckbacher wird häufig mit dem Inntaler Raum um Rinn und Gnadenwald verbunden, aus dem er stammte und wo er sein Aufgebot sammelte.

Was zeichnete Speckbacher militärisch aus?

Er galt als entschlossener und taktisch geschickter Anführer, der den Gebirgskrieg und überraschende Vorstöße beherrschte. Mehrere Aktionen der Erhebung sind mit seinem Namen verbunden.

In welchem Verhältnis stand er zu Andreas Hofer?

Speckbacher war einer der wichtigsten Mitstreiter Hofers und übernahm militärische Führungsaufgaben, während Hofer die Erhebung insgesamt verkörperte.

Was geschah mit ihm nach 1809?

Nach dem Scheitern der Erhebung musste Speckbacher fliehen und sich verbergen. Anders als Hofer entging er der Hinrichtung und lebte nach dem Ende der napoleonischen Zeit wieder in Tirol.

Wann starb Josef Speckbacher?

Er starb 1820. Sein Andenken wird in Tirol bis heute gepflegt.

Wo erfährt man mehr über die Kämpfe?

Die Seite zu den Schlachten am Bergisel schildert den militärischen Verlauf der Erhebung.

Porträt von Florian Aichner
Über die Verfasserin / den Verfasser

Florian Aichner

Redaktion · Militär- und Regionalgeschichte

Florian Aichner befasst sich mit der Militärgeschichte der Koalitionskriege und mit den Schauplätzen der Tiroler Kämpfe. Er bereitet historische Quellen für ein breites Publikum auf und betreut die Schauplatz- und Kartenbeiträge der Seite.